von Georg » 18.08.2004, 22:48
Ähnlich wie bei der Zinkpest, die in Wirklichkeit interkristaline Korrosion ist, gibt es auch hier leider kein Patentrezept.
Als der Bromberg auf dem Reißbrett entstand, steckte die Verarbeitung von Kunststoffen noch in den Kinderschuhen. Wollte man nicht wie bisher Modellbahnwagen aus chromlithografiertem Blech herstellen, sondern die Oberfläche mehr strukturieren, mußte man ihn aus einem billigen leicht zu verarbeitenden Metall herstellen, das man in Formen giessen konnte.
Zinkdruckguß wurde bereits für die Lokomotiven verwendet, wo die Eigenschaft großes spezifisches Gewicht nützlich ist. Bei Wagen ist das aber höchst unerwünscht und die Lok würde nur wenige Wagen ziehen können. Daher wurde für die Wagen Leichtmetall verwendet.
Aluminium und Magnesium erfüllen die Forderung nach Leichtigkeit.
Reines Aluminium ist leicht, aber leider auch sehr weich. Nach einem Absturz vom Tisch würde ein Wagen aus Aluminiumguß die gleichen Spuren davontragen wie die berühmten verbeulten Aluminiumtöpfe jener Zeit. Die Aluminiumoberfläche überzieht sich mit einer dünnen Oxydschicht, die das Metall vor Korrosion schützt.
Verbleibt noch Magnesium. Dieses Metall, deren Herstellung erst um 1890 gelang und deren Nutzung in größerem Umfang erst ab 1930 im Flugzeugbau begann, ist zwar pro Gewichtseinheit in der Herstellung zunächst teurer als Aluminium. Aber es ist noch 30 % leichter als Aluminium und hat im Verhältnis zum Gewicht eine größere mechanische Festigkeit als Eisen. Ein Modell aus diesem Metall würde den Absturz vom Tisch (abgesehen vom Schaden am Lack) ohne Schaden überstehen. Der Formenbau für Magnesium-Teile ist einfach und billig, weil der Guß bei niedrigeren Temperaturen als bei Aluminium möglich ist. Kurz gesagt, ideale Eigenschaften, um daraus ein Modell zu fertigen.
Aber es hat einen entscheidenden Nachteil: Während Aluminium sich durch die Oxydationschicht selbst schützt, korrodiert Magnesium, wenn die Oberfläche nicht geschützt wird. Dazu kommt, daß reines Magnesium, wenn es nicht zuvor grundiert wird, schlecht lackiert werden kann. Heute wird die Oberfläche von Magnesiumteilen in einem
speziellen Elektrolysebad galvanisiert. Beispiel: Gehäuse für Autogetriebe. Das Galvanisierungsverfahren kannte man um 1950 aber noch nicht. Erst 20 jahre später war die Technik reif.
Das Trix-Modell des Bromberg (das betrifft auch die Stirnseiten der leichten vierachsigen Kesselwagen) ist nur durch die Lackierung vor Korrosion geschützt. Ist im Werk die Lackierung nicht in den feinen Ritzen haften geblieben oder ist der Lack durch Spielen mit dem Wagen beschädigt worden, tritt an den Stellen, wo das Metall dem Luftsauerstoff ausgesetzt ist, Korrosion ein. Je feuchter gelagert wurde, umso schlimmer ist die Korrosion in Form von Ausblühungen.
Dazu kommt, daß Magnesium beim Zusammentreffen mit anderen Metallen, wie es beim zylindrischen Blech des vierachsigen Kesselwagens der Fall ist, immer die Anode bildet. Wurde ein Wagen feucht gelagert, treten die Ausblühungen genau da auf, wo die beiden unterschiedlichen Metalle zusammentreffen.
Was kann man tun?
Der Radikalkur wäre sicherlich die von Farbe und Korrosion befreiten Teile mit dem oben erwähnten Galvasisierungsverfahren vor weitere Korrosion zu schützen und dann eine Neulackierung vorzunehmen. Diese Lösung ist natürlich für einen einzelnen Wagen völlig indiskutabel.
Also muß man sich behelfen und - ähnlich wie bei rostenden Eisenteilen - die Korrosion zunächst mechanisch entfernen. Die befallenen Stellen werden mit einem Glasfaserradierer (gibt es bei Conrad) metalisch blank gemacht. Anschließend muß der Lack ausgebessert werden. Da es schwierig ist, genau den gleichen Farbton zu finden, muß unter Umständen doch der gesamte Lack erneuert werden. Entfernt man nur die Ausblühungen und schützt die blanke Metallstelle nicht, beginnt der Korrosionsprozeß erneut.
Wegen der Seltenheit gut erhaltener Bromberg-Wagen, ist dieser Wagen sehr teuer. Leider fällt sein Wert, wenn er neu lackiert wird. So sollte man versuchen, den Originallack zu erhalten. Wenn der Wagen nur kleine Schadstellen hat, kann man die von den Ausblühungen befreiten blanken Stellen mit Zaponlack schützen. Dieser farblose dünnflüssige Lack kriecht in die kleinsten Ritzen. Üblicherweise wird dieser Lack zum Schutz vor Korrosion, Verfärbung und Anlaufen von Metallgegenständen (Messing, Silber, Gold, Bronze, Kupfer usw.) im häuslichen Bereich verwendet. Man erkennt zwar sofort, wo der Originallack fehlt, aber es immerhin noch der Originallack auf dem Fahrzeug.
Wer nicht die blanken Stellen mit Zaponlack schützen will, muß den Wagen in Ölpapier einwickeln, oder ihn mit den zuvor beschriebenen Ölen von Zeit zu Zeit einen Überzug "verpassen".
Man hat damals sehr schnell die Korrisionsanfälligkeit erkannt und wenige Jahre später Neuauflagen des Wagens aus Zinkdruckguß gefertigt. Dadurch stieg das Gewicht des Wagens von etwa 106 auf 170 Gramm. Da inzwischen die neu konstruierten Loks Haftreifen bekommen hatten, kamen sie auch besser mit dem nun größeren Wagengewicht zurecht.