von Georg » 17.04.2006, 15:21
Hallo Frank
Der Bakelit-Teil des Gleises wurde von Trix hinzugekauft. Die Preßwerk AG in Essen war der Lieferant. Sicher hat jeder hat schon einmal auf einem Erzeugnis der Firma Preßwerk AG gesessen. Denn die braunen anatomisch geformten Holzsitze, die es früher in jeder Straßenbahnen gab, stammen alle aus dieser Fabrik.
Die Stege unter dem Gleis bilden zwei "Kästchen". In dem linken stehen die Informationen, die Trix benötigte, in dem rechter die Informationen bezüglich des Herstellers des Bakelits. So steht im rechten Kästchen vor den oben erwähnten Nummern 1354 und 1355 links davor ein kleiner Kreis. Mit der Lupe kann man da lesen P A.G. (ein Kreis, der ein großes P enthält und in dem Freiraum unter dem P wesentlich kleiner A.G.) , das ist das Firmenzeichen der Preßwerk AG.
Rechts von der Nummer ist ein weiterer Kreis
Das ist das Zeichen der Materialprüfungsanstalt in Berlin-Dahlem. Mit etwas Phantasie kann man aus den Zeichen ein M und ein P herauslesen, das für Material und Prüfung steht. Oben links im Kreis steht verschlüsselt die Firma: die Preßwerk AG hatte die Nummer 45.
Unter dem M steht verschlüsselt der verwendetete Füllstoff. Wir finden auf den Trix-Gleisen ein "S", das bedeutet, daß dieses Bakelit-Material Sägemehl (und Wollflusen) als Füllstoff enthält. Was für ein Glück: denn wenn dort die Zahl 2, 3, 4 stehen würde, hätte man als Füllstoff Asbest genutzt.
Bei ganz alten Bakelit-Gleisen steht hinter dem Namen Trix Express die Nummer 20/1. Das war die Bestellnummer für das gerade Gleis in Deutschland. Man hat aber irtümlich das gebogenen Gleis auch mit der Nummer 20/1 anstatt mit der richtigen Nummer 20/4 versehen. Da die Gleise in anderen Länder unter anderen Artikelnummer verkauft wurden, war das wenig hilfreich und man hat es fortgelassen.
So lassen sich die von Dir aufgefundenen Nummer 1354 und 1355 wohl so erklären: die Formen für die Gleisbettung wird man nicht immer von Nürnberg nach Essen gebracht haben, wenn wieder ein Quantum benötigt wurde. So werden die Formen in Essen gelagert worden sein. Damit die PAG nun aber auch das richtige Form aus ihrem Lager nahm, versah die PAG die Formen mit ihrer internen Artikelnummer, die nichts mit der Trix-Nummer zu tun hatte. Meines Erachtens ist die 1354 und die 1355 die PAG-Nummer der Formen. Die römische II hinter dem Schrägstrich deutet auf die zweite Auführungsform hin. Es gibt Gleise ohne Schrägstich und der römischen II. Dort steht eben nur 1354 bzw. 1355. Bei diesen Gleisen sind die drei Querstege wesentlich zierlicher. Vermutlich hat sich herausgestellt, die diese Gleise beim Drauftreten leicht zerbrechen und man hat die Stege bei der "/II" verstärkt.
Nun noch die kleine Zahl unter der 1345 bzw. 1355. Bei Gleisen mit den dünnen Stegen ( also ohne "/II" ) fand ich als höchstes die Nummer 9. Da kann ich nur Vermutungen anstellen. Es könnte verschlüsselt das Produktionsjahr sein. Oder die Nummer steht für eine einzelne Charge. Falls der Ausgangsstoff fehlerhaft war, hätte man so verfolgen können, um welche Charge es sich handelte. Wegen der benötigten Stückzahl an Gleisen und der Wichtigkeit - ohne Gleise konnte man die Bahn nicht verkaufen – halte ich es für wahrscheinlich, das mehrere gleichartige Formen existiert haben. Möglicherweise war die Maschine auch in der Lage mit einem Arbeitsschritt mehr als eine Gleisbettung zu fertigen. Um dann Formfehler einer bestimmten Form zuordnen zu können, numeriert man die Form fortlaufend.
Für die englische TTR-Bahn wurden die Gleise anfangs von Nürnberg bezogen. Später hat man aber eine eigene Fertigung aufgezogen und die Bakelit-Teile von Ebonestos Industries London SE15 bezogen. Diese Gleise tragen englische TTR-Bezeichungen im linken Kästchen.
Das Gleisbett des Anschlußgleises unterscheidet sich nicht vom normalen Gleis und hat folglich die gleiche Nummer.
"Kreuzung ohne Nummer"
Die Kreuzung wird auch eine Nummer haben, nur wird die unter den Kontaktverbindern versteckt sein.
Georg