von Georg » 09.05.2007, 16:23
So schön wie der Schlackenwagen ist, aber er ist symptomatisch, wie einem die Freude am Hobby verleidet werden kann.
Vorsicht! Realsatire!
Wir wollen mal unterstellen, ein Modellbahner freut sich über diese Wagenneuheit und möchte, da er schon die anderen Schlackenwagen hat, seine Sammlung mit diesem Wagen (Märklin-Art.-Nr. 48607) vervollständigen. Dieser Sammler soll erst jetzt hier im Forum oder aus einem der Eisenbahn-Magazine von diesem Wagen erfahren haben.
D.h. er hat den Kauf des Wagens auf der Intermodellbau in Dortmund schon versäumt. Wenn er sowieso einen Besuch dort vorhatte, hätte er sich sicherlich den Wagen mitgebracht. – natürlich nicht mit Express-Radsätzen! Denn wer hätte die bei dem Trubel dort vor Ort auf der Messe tauschen können. Wer hätte die Ruhe gehabt, dort die Laschen aufzubiegen?
Für die, die diese Chance verpaßt haben, bieten sich als zweite Bezugsmöglichkeit einige ausgewählte Händler an, die in der Regel am Standort der Messe ansässig sind. Mein Händler vor Ort ist nicht darunter. Er müßte wahrscheinlich den Wagen für mich bestellen. Also führt im Zweifel der "sichere" Weg zu einem Wagen über eines der von Jürgen schon erwähnten Ebay-Angebote. Preis des Wagens inklusiver Versand dann etwa 31 bis 32 Euro. Diese Händler liefern natürlich auch den Wagen nur mit Wechselstromradsätzen. Denn ein einfacher Radsatztausch ist ja nicht möglich, selbst wenn der Ebay-Händler Express-Radsätze vorrätig hätte. Die Zeit für das Aufbiegen und Wiederverschließen der Laschen kann man dem Händler kaum zumuten. Wie lange soll sich der Händler denn mit dem Wagen beschäftigen? Möglicherweise weiß der doch gar nicht, daß man die Laschen aufbiegen muß. Und er wird bei einem Blick in seinen Unterlagen zu der Überzeugung kommen, daß man komplette Tauschdrehgestelle braucht.
Unterstellen wir einmal, der Händler hätte die von Jürgen erwähnten Tauschdrehgestelle vorrätig. Dann könnte der Händler den Tausch schnell vornehmen. - Übrigens, was soll der Händler dann mit den ausgebauten Drehgestellen machen? Mit großem logistischen Aufwand an Märklin zurückschicken und auf die Gutschrift warten? - Der Händler tauscht uns also die Drehgestelle aus. Überrascht wird der Händler beim Versuch, den Wagen wieder in die Packung zu legen, feststellen, daß das Inlett wegen der größeren Express-Spurkränze nicht mehr paßt. Eingedenk dieser Erfahrung wird er sich vornehmen, in Zukunft alle Wünsche nach Radsatztausch abzulehnen. Also bekommt man vom ihm den Wagen auch nur mit Wechselstromradsätzen.
Nun hat unser Modellbahner den Wagen zu Hause. Aber er besitzt immer noch die Wechselstromradsätze.
Daher baut unser Modellbahner nach dem Aufbiegen der Laschen die Wechselstromradsätze aus und geht damit zu seinem Stammhändler. Der Händler hat glücklicherweise keinen Überblick, was man neulich bei ihm gekauft und was man über Ebay erstanden hat, und tauscht - weil man ja ein so guter Kunde ist – ohne Nachfragen die Radsätze generös um. Der sofortige Umtauch kann allerdings daran scheitern, daß kurz zuvor ein anderer Kunde im Laden war und sich aus dem nicht großen Vorrat an Radsätzen bedient hat, da kann schon mal im Fach für die benötigten 9mm-Radsätze gähnende Leere herrschen. Aber man kommt ja öfter beim Händler vorbei und kann ihn solange mit Nachfragen nerven, bis er mal wieder Nachschub bekommen hat. Nur gerade dann man die umzutauschenden Radsätze zu Hause liegen gelassen. Man entsinnt sich dann seiner IG-Mitgliedschaft und schickt die Radsätze (was sich bei 4 Stück kaum lohnt) zur IG und harrt der Express-Radsätze.
Wer kein IG-Mitglied ist und keinen umtauschbereiten Händler kennt, muß sich die Radsätze kaufen. Da Fahrtkosten zum örtlichen Händler zu berücksichtigen sind, kann der Märklin-Ersatzteilshop durchaus eine Alternative sein. In der Abfrage der Teileverfügbarkeit erfährt man, daß die lieferbaren Radsätze 4,99 Euro kosten – pro Radsatz.
Daß die Verfügbarkeitsampel für das Tauschdrehgestell auch auf grün = lieferbar steht, ist kein Wunder. Es kostet im Märklin-Online-Ersatzteilshop ja nur 24,95 Euro – pro Stück. EIN Drehgestell kostet fast so viel wie der ganze Wagen! Kaum ein Modellbahner würde diesen Weg gehen.
Unser "Muster-Modellbahner" soll aber aus Bequemlichkeit und Angst, sich beim Aufbiegen der Laschen zu verletzen, die Beschaffung der Tauschdrehgestelle über den Märklin-Onlineshop vorziehen. Er ist des Wartens müde und vom Onlineshop wird die Lieferung innerhalb von 1 bis 2 Werktagen zugesichert. Inklusive Versandkosten würden ihm die beiden Tauschdrehgestelle dann 55,30 Euro kosten. Zusammen mit dem über Ebay erstandenen Wagen kommt er auf Kosten von 86,- Euro. Das ist ihm dann doch zuviel, denn dafür gibt es von anderen Herstellern schon ganze Lokomotiven. So bestellt er zur Kostenersparnis doch nur 4 Radsätze (33-3598-05) für zusammen 19,96 Euro. Dummerweise werden unter 20,- Euro Warenwert (statt 5,40 Euro) 8,50 Euro für Versandkosten berechnet, so daß 28,46 Euro zu bezahlen sind. Unser Muster-Modellbahner freut aber, denn endlich ist seine Trix-Profi-Club-Mitgliedschaft zu etwas nütze. Ihm werden nämlich keine Versandkosten berechnet! Es bleibt bei rund 20,- Euro.
Unser Muster-Modellbahner freut sich, daß er NUR rund 51,- Euro für den Wagen aufwenden mußte. Den Zeitaufwand hat er dabei gar in Rechnung gestellt. Ist ja Hobby! Er ärgert sich nur, daß der Wagen immer noch nicht in den Original-Karton paßt. Da wird er wohl auch noch Hand anlegen müssen.
Gruß Georg