Original von Ulrich Albrecht
Die aussermittig versetzte Drehgestelllagerung ist die beste Loesung, um Probleme mit dem Ueberhang zu vermeiden. Das ist eine gute Idee von Naumburg, ...
Ist die Idee wirklich so gut?
Die Idee stammt nicht von Naumburg. Die Lösung, Drehgestelle mit außermittigem Drehzapfen zu versehen, stammt von Märklin und wurde erstmals 1973 bei den damals neuen Schnellzugwagen im Längenmaßstab 1:100 angewandt. Man hat sogar zusätzlich den Drehzapfenabstand veringert und die Wagendrehgestelle jeweils um einige Millimeter zur Fahrzeugmitte gerückt, um nicht an den Weichen hängen zu bleiben. Dafür wird der Überstand an den Wagenenden größer. Die Zwänge des Märklin-Gleissytems sind auch der Grund, warum Märklin den SVT verkürzt hat und auch den bald erscheinenden VT08 verkürzen wird.
Was die Formel anbetrifft, kann man auch einfacher feststellen, wo die Signale und Masten für die Oberleitung nicht stehen dürfen.
Am besten schaut man mal, wie man das beim Vorbild macht. Da mag man die Formel sicherlich bei der Konstruktion anwenden. Aber in der Praxis verläßt man sich nicht darauf. So schickt ein Straßenbahnbetrieb einen neu beschafften Fahrzeugtyp zuerst nachts (bei Betriebsruhe) auf die Strecke.
Um zu überprüfen, ob es in den Kurven nicht zu eng wird, befestigt man an verschiedenen Stellen des neuen Fahrzeuges Vorrichtungen, die (ähnlich wie die Linien auf dem Fußballlfeld) weiße Linien auf die Straße zeichnen und damit den Überstand in Kurven aufzeigen. Befährt dann das Fahrzeug auf der Rückfahrt das Gegengleis, dürfen sich die auf das Pflaster geschriebenen Linien nicht berühren. Notfalls behilft man sich mit einem Begegnungsverbot.
Auf die Modellbahn übertragen befestigt man an dem längsten Fahrzeug einen federnd gelagerten Edding-Stift. Fährt man mit dem so präparieten Fahrzeug die Anlage ab, schreibt der Edding-Stift eine Linie auf das Anlagebrett. Damit der Bereich makiert, der frei von Signalen, Masten usw. gehalten werden muß.
Original von Ulrich Albrecht
Meine Hauptbedenken waren meine Oberleitungsmasten.
Maste stehen beim Vorbild bei eingleisigen Strecken vorzugsweise auf der Außenseite der Kurve. Der Überhang ist überwiegend auf der Gleisinnenseite. Dort stehen nur bei zweigleisigen Strecken Maste. Maste kann man noch versetzen. Aber eines hat Du nicht bedacht ...
Was ist, wenn sich zwei lange Schnellzugwagen (einer auf den Trix Express Radius R1 und einer auf dem Radius R2) auf einer zweigleisigen Strecke begegnen? Das ist nämlich das große Problem beim Vorbild. Und im Maßstab 1:87 hochgerechnet, entsprechen Trix Express-Radien nun mal den Radien von Straßenbahngleisen.
Die frühen Lilliput-Wagen mit 303 mm Länge und normalen, mittigen Drehzapfen berühren sich nur dann nicht, wenn man die Gleisbögen ganz genau verlegt hat. Dazwischen paßt nicht mal mehr das sprichwörtliche Papierblatt.
Befährt man aber mit einen 270 mm langen Märklin-Schnellzugwagen (den mit versetzten Drehzapfen, die zwar den Überstand in Richtung Radius-Innenseite verringern, aber gleichzeitig auf der Radius-Außenseite den Überstand erheblich vergrößern) den Radius 1 und gleichzeitig mit einem maßstäblichen 303 mm langen Fahrzeug den Radius R2 gibt es etwas mehr als nur ein paar Kratzer. Da kracht es richtig. Der entstehende "Blechschaden" ist so groß, daß die Wagen sich gegenseitig zum Entgleisen bringen können.
Georg