von Georg » 07.11.2004, 10:55
Inzwischen sind die ersten Zugpackungen des "Helvetia" Art-Nr. 31369 an die Händler ausgeliefert worden.
Um es vorweg zu sagen: Die Lok HAT einen FÜNFPOLIGEN Anker.
Aber......
Doch der Reihe nach.
Das Gehäuse der Lok und die Beschriftung ist identisch mit dem TrixH0 - Modell der BR 103.0 ( Art.-Nr. 22110 ).
Da der Zugpackung diesmal wieder ein Ersatzteilblatt beigelegt ist, läßt sich auch beschreiben, um welchen Anker es sich handelt.
Es wurde der fünfpoligen Anker ( Ersatzteilnummer 210888 ) mit acht Zähnen eingebaut, der auch in dem Märklin-Umbausatz für den Hochleistungsantrieb ( Märklin-Nr. 60903 ) enthalten ist. Dieser Umbausatz enthält die Teile, die benötigt werden, um ältere Märklin-(Wechselstrom)-Scheibenkollektormotore auf den Hochleistungsantrieb mit Trommelkollektor umzubauen.
Die neue BR 103.0 hat also nicht nur einen fünfpoligen Anker, sondern nun auch einen Trommelkollektormotor. Daher hat die Trix Express-Lok auch ein anderes Motorschild ( Ersatzteil-Nr. 214121 ) bekommen.
Natürlich gehört zu diesem Anker und Motorschild auch ein anderer Magnet ( Ersatzteilnummer 314568 ).
Während das Laufgestell unverändert von den früheren Modellen der BR 103, 151 und Ae6/6 übernommen wurde, hat man beim Motordrehgestell eine eigenwillige Lösung gewählt, die mit dem fünfpoligen Anker zusammenhängt.
Zunächst entdeckt man die am Motorblock abgeschliffenen Stellen, die zwar für das enge Fahrgestell der SBB Ae6/6 erforderlich sind, aber bei der BR 103 keinen Sinn machen.
Während die früheren Modelle der BR 103.1 nur zwei Haftreifen haben, hat dieses Modell deren vier. Das fördert zwar die Zugkraft, verschlechtert aber die Stromaufnahme von der Außenschiene über die Räder.
Während die Räder der alte BR103.1 Rillen für die breiten Trix-Haftreifen hat, hat das neue Modell der BR 103.0 schmale Rillen, in die nur der schmalere Märklin-Haftreifen 656510 paßt. Achtung! In der Gebrausanweisung wurde die Nummer für einen falschen Haftreifen abgedruckt. Bei dem Seitenspiel, das ein Trix-Radsatz auf dem Gleis hat, kann es schon mal passieren, daß einer der schmalen Haftreifen neben dem Schienenkopf läuft und damit nicht zur Zugkraft beiträgt. Hat man deswegen etwa vier eingebaut?
Und dann entdeckt man etwas Seltsames.
Bei einem dreiachsigen Drehgestell muß bekanntlich der Spurkranz der mittleren Achse geschwächt sein. Schon seit dem Erscheinen der BR 01 im Jahre 1937 ist daher der Spurkranz des mittlere Radsatz wesentlich niedriger und schmaler. Damit bekommt das Rad zwangsläufig eine besonders breite Lauffläche. Im Ergebnis ist dieser kleine Spurkranz weiter zur Fahrzeugmitte versetzt, damit es bei Kurvenfahrten kein Zwängen gibt. So ist es auch bei dem Laufgestell dieser neuen Lok ausgeführt.
Aber bei dem Motordrehgestell der neuen BR 103 hat man es völlig anders gemacht. Der mittlere Radsatz ist ein TrixH0 - International-Radsatz, wie er auch in der 22110 eingebaut ist!
Man sieht also einen Radsatz mit einem spitzen (Zweileiter-) Spurkranz von 1,2 mm Höhe mit einer verhältnismäßig schmalen Lauffläche. Da das Rad außen bündig mit den anderen beiden Rädern im Drehgestell abschließt, läuft der spitze Spurkranz dieses Rades nicht in der Ebene, in der der Spurkranz des mittleren Radsatzes des Laufgestells läuft und auch dieser Spurkanz laufen müßte.
Untersucht man auf der zahnradlosen Seite, warum nun plötzlich das wesentlich schmalere International-Rad aufgezogen wurde, sieht man von unten einen Zapfen, der der Führung des neuen Bürstenlagerschildes für den Anker mit Trommelkollektor dient.
Mit anderen Worten, hinter diesem Rad sitzt eine der drei Befestigungen für das Bürstenlagerschild des fünfpoligen Ankers. Damit ist aber kein Platz mehr für das bisher hier eingebaute Trix Express-Rad. Man hätte ein völlig neues Bürstenlagerschild konstruieren müssen, dessen Halterung sich an einer anderen Stelle befunden hätte. Davor hat man sich gedrückt und statt dessen einfach ein schmales Trix International-Rad eingebaut.
Aus Symmetriegründen hat man dann auf der der Zahnradseite auch ein International-Rad aufgezogen. Da dort der Raum für ein Trix Express-Rad vorhanden ist, klafft nun zwischen dem Zahnrad und dem International-Rad eine Lücke von über einem Millimeter.
Um es noch einmal klar zu machen, der kleine Spurkranz der mittleren International-Räder des Treibdrehgestells gehört im Vergleich zu den Rädern mit dem vollen Spurkranz in die Ebene, die der Fahrzeugmitte zugewandt ist. So wie es bei jeder BR 01 usw. und dem Laufgestell dieser Lok der Fall ist. Da das International-Rad aber in der Ebene der Außenseite der vollen Spurkränz läuft, muß dieser nicht den Trix Normen entsprechenden Spurkranz in den Kruven zwängen.
Auf der Zahnradseite könnte man wenigstens ein Trix Express-Rad aufziehen, wen man eines hat, denn von Märklin gibt es die Radsätze leider nicht einzeln. So bleibt als Lösung nur, die Spurkränze des International-Radsatzes komplett abzudrehen. Dann geht natürlich die Bünierung teilweise verloren und das Messing kommt zum Vorschein.
Wie sich dieser Radsatz mit falschem Spurkanz, der nicht in der richtigen Ebene läuft, in der Fahrpraxis auswirkt, muß sich noch zeigen.
Die ursprüngliche Märklin Drehgestellblende für die Märklin-Wechselstrom-BR 103 paßt nicht unter das Trix Express Drehgestell. Die Trix Express-Spurkränze würden an der Drehgestellblende scheuern, man hätte zwei kleine Kerben in die Blende einarbeiten müssen. Daher gibt (oder soll ich sagen gab?) es eine besondere Trix Express-Drehgestellblende für die BR 103.1. Damit hatten in der Folge auch die früheren Trix Express-Loks der BR 103.1 eine eigenständige (von den Wechselstromloks abweichende) Befestigung der Kupplung.
Inzwischen hat man bei der Wechselstrom-Drehgestellblende eine Formänderung vorgenommen. Die Blende paßt also neuerdings auch unter das Trix Express-Drehgestell. So findet man bei der neuen BR 103.0 auch die Drehgestellblenden der Wechselstromlok. Damit hat man aber auch die Kupplungsbefestigung von der Wechselstrom-BR 103 übernommen. Diese neue Kupplungsbefestigung entspricht der der BR 151 und hat dort schon für Verdruss gesorgt, weil sie wacklig wie ein Lämmerschwanz ist und leicht herunter hängt.
Mit der Übernahme der Kupplungsbefestigung von den Wechselstromloks steht die Kupplung nun unnötigerweise auch noch fast zwei Millimeter weiter hervor. Die Folge ist, daß die Kupplung bei Belastung noch leichter herunter hängt. Die Gefahr, daß man mit der herunterhängenden Kupplung irgendwo hängen bleibt, ist also nicht von der Hand zu weisen.
Wer gerne die alte von der BR 103.1 bekannte Kupplungsbefestiung haben möchte, dem sei gesagt, daß er nicht nur die Halterung aus Metall, sondern zusätzlich auch eine "alte" Drehgestellblende kaufen muß. An der neuen Drehgestellblende fehlen die federnden Beinchen zur Ausrichtung der Kupplung und der Drehzapfen hat einen anderen Durchmesser.
Dann hat man sich in dem Ersatzteilbaltt neben etlichen Druckfehlern bei der Ersatzteilnummer für die Motorraumbeleuchtung eine Zahlendreher geleistet, es muß heißen 216048 und nicht 261048. Offensichtlich hat niemand bei der Gebrauchsanweisung und dem Ersatzteilblatt Korrektur gelesen.
Resümee
Man fragt sich unwillkürlich, warum die Änderungen der Kupplungbefestigung gegenüber der bisherigen bewährten Form vorgenommen wurden. Und kommt auf den Gedanken, daß bei Märklin die Kenntnis um die Bedeutung und Funktion einzelner Teile bei Trix Express-Lokomotiven verloren gegangen ist. Wurden die falschen Leute entlassen?
Was den falschen Radsatz anbetrifft:
Da druckt man in den Neuheitenprospekten für diese Express-Lok einfach den Text der Trix H0 22110 ab. Und schon steht da "fünfpoliger" Anker. Da nun von Kunden (und auch hier aus dem Mitgliederkreis des Forums) gezielt gefragt wurde, ob die Lok nun wirklich einen fünfpoligen Anker haben wird und man das mit "ja" beantwortet hat, hat man dann auch einen fünfpoligen Anker eingebaut, weil man ihn nach dem neuen Haftungsrecht (zugesicherte Eigenschaft) sogar vor Gericht einklagen könnte. Was dabei herausgekommen ist ... siehe oben.
Erste Vergleiche mit einer auf das Express-System umgebauten TrixH0 Lok der BR 103.0 ( Art.-Nr. 22110 ), in die ein als Ersatzteil beschaftes Drehgestell mit dreipoligem Scheibenkollektormotor eingebaut wurde, zeigen, daß zwischen dem alten und dem neuen Motor hinsichtlicher Zugkraft und Laufeingenschaften keine großen Unterschiede bestehen.
Georg