von Georg » 23.01.2005, 15:52
Dralle:
Zitat:
: Ich stelle mir in letzter Zeit die Frage, ob es Modellbahner gibt, die wie ich von Express auf International umgestiegen sind oder auch erst seit kurzen ein Herz für Trix HO gefunden haben. Meine Frage richtet sich nicht nur an aktive Modellbahner sondern auch an Sammler.
Um auf die zweite Hälfte der Frage (Herz für TrixH0) zuerst zu antworten: Ich glaube kaum! In den letzten Jahrzehnten wurde TrixH0 als erweiterbares Modellbahnsystem kaum beworben, während Roco und Fleischmann sehr aktiv waren. Mangels eines eigenen Gleissytems konnte man von TrixH0 nur Fahrzeuge zur Ergänzung seiner mit Gleismaterial anderer Hersteller aufgebauten Anlage kaufen. Damit kommt aber der Flair einer TrixH0-Anlage nicht auf. Es gibt auch niemand, der sein Herz für eine „Hamo“-Bahn gefunden hat. Und so wie Märklin TrixH0 bisher behandelt hat, ist es nichts anderes als ein etwas erweitertes Hamo-Angebot. Auch die Preise für gebrauchte TrixH0-Fahrzeuge, die immer unter denen vergleichbare Express-Modelle liegen, spiegeln das geringe Interesse wider.
Erst in letzter Zeit hat Märklin unter dem Druck des Erfolges der in den Discountmärkten angebotenen Zweileiter-Gleichstrom-Anfangspackungen die Marke TrixH0 als „Start-Bahn“ wieder neu entdeckt. Denn der Käufer einer solchen Startpackung aus dem Discountmarkt, der dadurch wirklich zur Modellbahn findet, kann als Käufer einer Märklin-Bahn in der Regel vergessen werden. Damit schwindet aber langfristig der Marktanteil der Märklin-Bahn auf dem deutschen Markt. Ob aber diese in China gefertigten Modelle jemals größeren Sammlerwert, ein bestimmtes Flair oder besonderen Charme verbreiten werden, muß bezweifelt werden. Beobachte den Markt von anderen schon länger in China gefertigten Waren, z.B. Modellautos, da tut sich nichts.
Um nun auf die erste Hälfte der Frage (von Express auf International umgestiegen) zu antworten: Ja.
„Nach damaligen Stand der Technik“ kam in meiner Kindheit von Uhrwerkseisenbahnen abgesehen nur die elektrischen H0-Bahnen Trix Express, Fleischmann und Märklin in Frage. Wie ich später herausbekam, führte der Händler, wo mein Vater die meine Bahn kaufte, Fleischmann aber nicht. Warum mein Vater mir ein Jahr nach der Uhrwerksbahn eine Trix Express-Bahn und keine Märklin-Bahn kaufte? Als ich über die Frage nachzudenken begann, konnte ich ihn leider nicht mehr befragen.
Irgendwann waren meine Eltern der Ansicht, der Umfang meiner Bahn wäre groß genug. Kommt aber nichts Neues hinzu, läßt der Spieltrieb mit der Zeit nach. Außerdem zeigten sich die Folgen der immer fliegend aufgebauten Anlagen. Die Schienenlaschen erwiesen sich als Schwachstelle, der Halt wurde immer lockerer, die Schienen wurden durch die Fliehkraft insbesondere in den Kurven auseinander getrieben und entweder wurde der Mittelleiter unterbrochen und die Loks blieben stehen oder der Mittelschleifer der Lok schob die Gleise ganz auseinander mit der Folge einer Entgleisung. Das einfache Nachbiegen der Laschen mit einer geeigneten Zange war mir als Kind nicht möglich, es gab nicht an jeder Ecke einen Baumarkt, wo man Werkzeug hätte kaufen können. So wurde mangels Hilfe durch die Eltern einem langsam die Freude vergällt.
In der Pubertät wandte man sich dann anderen Interessen zu. Die Bahn lag, abgesehen von den genannten Mängeln, funktionsfähig verstaut im Karton. Damals gab es keine Flohmärkte, Modellbahnbörsen, Händler mit gebrauchten Modellbahnen, wo man die Bahn hätte verkaufen können. So fragte eines Tages ein Nachbar an, ob die Anlage noch existierte und er sie für seine Kinder kaufen könne. Vom Trafo bis zu Hausbeleuchtung sollte sie 120,- DM bringen. Ich konnte mich aber nicht davon trennen. So schlummerte sie weiter im Karton.
Rund zehn Jahre später wurde mit wachsender Mobilität die große Bahn entdeckt. Es gab immer wieder etwas bei der großen Bahn zu entdecken und so reiste man den langsam verschwindenden Dampfloks nach. So wurde auch wieder die alte Bahn hervorgeholt. In Eisenbahnzeitschriften mit Modellbahnteil kam Trix Express damals kaum noch vor und ein Freund (selbst Märklin-Fahrer) riet mir, bei einem Neubeginn mit dem internationalen H0-Gleichstromsystem weiterzumachen. Trix selbst konzentrierte sich damals auf die N-Spur und bewarb die Trix Express-Bahn kaum. Neuanfänger begannen entweder mit N oder H0. Kam H0 in Frage, mußte nur noch zwischen Fleischmann und Märklin entschieden werden. So baute ich die Trix Express-Lokomotiven und -Wagen um. Inzwischen bot Trix selbst ein Großteil der Fahrzeuge als International-Fahrzeuge an, so daß der Bezug der benötigten Umbauteile kein Problem darstellte. So einfach gestaltete sich der Umbau allerdings nicht. Eine E10 003 kann man nicht so leicht umbauen wie eine 2252. So mußten bei der BR 64 Radsätze der Fleischmann BR 65 beschafft werden. Die BR 64 vom gleichen Hersteller gab es noch nicht. Allerdings war bei der Stromaufnahme auch Erfindungsgabe erforderlich, da auf Schienenschleifer verzichtet werden sollte. Da ich auch eine 754 besaß, war alllerdings ein völliger Umbau nicht möglich. Meine International-Zeit beschränkte sich darauf, Lokomotiven zu sammeln, denn zu einer Gleisanlage kam es nicht, weil es zu der Zeit an Platz mangelte. Wenn mal gelegentlich gefahren werden sollte, wurden kurzerhand die noch vorhandenen Express-Gleise aufgebaut.
Für die Neubeschaffung von Fahrzeugmodellen errichtete ich mir ein Limit von 100,- DM für ein Triebfahrzeug. Das mag niedrig erscheinen, aber der Preis für die BR 42 und den VT08 lagen damals weit darunter. Als dann ein Händler in der Nähe das gesamte Trix-Röwa Programm auflöste und die Wagen für wenige DM verkaufte, wuchs der Bestand an Express-Fahrzeugen wieder an, die natürlich umgebaut werden sollten. Inzwischen gab es auch die ersten Flohmärkte. Nachdem diese sich als Publikumsmagnet erwiesen, war es nur eine Frage der Zeit, wann der erste Flohmarkt nur für Modelleisenbahnen stattfand. Die Modellbahnbörse war geboren. Da sah ich die Modelle, die ich mir als Kind immer gewünscht hatte, und konnte endlich einen VT50 günstig erstehen, den ich eigentlich nur aus dem Katalog kannte, da er schon lange aus den Läden verschwunden war. Und das alte Fahrzeug mit dem alten (ursprünglich für Wechselstrom vorgesehenen) Motor lief überraschend weich, viel angenehmer als die Modelle mit den (schwungscheibenlosen) Perma-Motor. Damit war die Liebe zu der alten Trix Express-Bahn aus der Kinderzeit wieder da. Da die Teile vom Umbau auf International noch vorhanden waren, war ein Rückbau leicht möglich.
Heiko:
Zitat:
: Sicher behalten die alten, schweren Fahrzeuge auch auf kleinem Spurkranz ihren Charme. Die aktuellen Fahrzeuge, weitgehend aus Metall, (eigentlich ja Märklin- Gleichstrom) unterscheiden sich bestimmt in gewissem Maße von anderen Produkten. Aber die besondere Individualität der alten Express- Fahrzeuge erreichen sie nicht mehr. Der Ruf des Besonderen ist auch in den 80-ern und 90-ern mit den Plastikloks zerstört worden.
Die Individualität früherer Modelle, liegt zum großen Teil daran, daß Konstrukteure relativ freizügig das Vorbild umsetzten. Hauptsache das Wesentliche wurde nachgebildet. Es hat keiner mit einer Schieblehre nachgemessen. Kinder lernen aber früh Abstraktion. Ein Bauklotz ist ein Bauklotz, daraus kann ein Bahngebäude entstehen, es kann aber sowohl Ladegut auf einem Güterwagen als auch Prellbock sein. Und in der Sandkiste ist der gleiche Klotz eine Planierraupe. Die Detailierung eines Modells braucht also für ein Kind gar nicht so weit getrieben werden, wie wir Erwachsenen es erwarten. Die Batterie-Lok ist ein gutes Beispiel, was ein Kind von einer Lok erwartet: ein Führerhaus mit Fenstern aus dem der Lokführer herausschaut, ein großer Schornstein, aus dem der Qualm hervorquillt, die Zylinder, denen zischend der Dampf entweicht, die lärmende Pfeife, die wirbelnden Treibstangen, die leuchtenden Lampen und natürlich die Puffer, die, da bei einem Kind genau in Augenhöhe, sofort ins Blickfeld geraten. Das sind die Details, die ein Kind auf einem Bild zeichnen würde. Ein Kind braucht auch keinen Dampferzeuger im Schornstein: ein wenig Watte hineingestopft erfüllt den gleichen Zweck.
Gerade Röwa und später auch Trix (begonnen mit der BR 92) haben Maßstäbe für vorbildgetreue Fahrzeuge gesetzt. Dagegen hatte früher, als man es nicht so genau nahm, jede Modelleisenbahn-Marke ihren speziellen Charakter. Fleischmann war insgesamt etwas zu groß. Bei Märklin war vieles zu klein. Bei Trix war manche Loks zu breit. Wer es nicht glaubt, nehme sich die alten Modelle der E10/110 vor und vergleiche sie mit dem aktuellen Roco-Modell. Es war damals beabsichtig, daß die Modelle nicht so richtig zusammenpaßten. Sie sollten nicht austauschbar sein, man wollte die Kunden bei der einmal gewählten Marke halten.
Wenn man heute ein Modell von einem bestimmten Vorbild konstruiert, müßte es, da vom Kunden höchste Vorbildtreue verlangt wird, von allen Herstellern gleich aussehen. Im Zeitalter der Austauschkupplung ist die Kupplung auch kein Indiz mehr. So werden die „Handschriften“ der einzelnen Modellbahnhersteller immer ähnlicher und man muß sich bei den Fahrzeugen schon die Unterseite ansehen, um zu ergründen was man in Händen hat. Damit ist aber der Charme einer bestimmten Marke verschwunden.
Der Charme einer Trix Express-Bahn liegt für mich in den alten Fahrzeugen. Aber es ist für mich auch reizvoll, Fahrzeuge aus immerhin 8 Jahrzehnten nebeneinander fahren lassen zu können und damit die technische Entwicklung der Modellbahn aufzeigen zu können. Das Spiel im Sinne von Fahren muß dabei nicht im Vordergrund stehen. Es macht einfach mehr Freude, die aus einem Schrotthaufen wieder auferstandene Lok fahren zu sehen, als eine neue, teuer gekaufte Lok bei ihrer Fahrt mit der Sorge zu beobachten: Hoffentlich bricht nichts ab.