Hallo Stefan,
wie Dietmar schon schrieb, gab es auch das "Kastenbrot" in Rheingoldfarbgebung, und zwar gleich 6 Stück an der Zahl, nämlich die E10 1239 bis E10 1244. Den Grund hatte Dietmar schon genannt, denn die Fertigstellung der ersten Bügelfalte verzögerte sich bis November 1962, während der Rheingold mit den neuen Wagen schon am 27. Mai 1962 seinen Dienst aufnahm.
Das Thema Rheingold (und Rheinpfeil) ist übrigens ziemlich komplex und hochinteressant! Alleine die verschiedenen Zugloks sind es wert, mal genannt zu werden: auf niederländischem Gebiet (mit Kurswagen von Hoek van Holland, die dann in Amsterdam CS (Centraal Station) mit dort wartenden Wagen zusammengeführt wurden) waren es die Loks der 1100er-Reihe (das ist die blaue, kurze vierachsige E-Lok mit den Bullaugen) und der 1200er-Reihe (das ist die sechsachsige Lok im amerikanischen Stil). In Arnheim übernahm dann eine V200 (!) den Zug, da 1962 die Strecke Emmerich-Duisburg noch nicht elektrifiziert war - das geschah erst im Jahre 1966. In Duisburg angekommen, wurde dann der Zug für die Reise nach Basel SBB verlängert, weil z.B. der Domecar (Aussichtswagen) nicht auf niederländischem Gebiet fahren durfte. Der Buckelspeisewagen durfte, aber nur bis Amsterdam CS und nicht nach Hoek van Holland.
Ab 1963 kam dann der "Rheinpfeil" hinzu, für den auch erst mal 5 Kastenbrote mit den Betriebsnummer E10 250 bis E10 254 abgestellt wurden, diese erhielten jedoch keine Schnellfahrdrehgestelle und behielten deshalb ihre Betriebsnummern. Der Rheinpfeil befuhr die Strecke von Duisburg nach München, wobei dann ab 1963 in Duisburg Wagen des Rheinpfeil in den Rheingold eingereiht wurden.
Zu den Bügelfalten: Die sechs Loks mit den Betriebsnummern E10 1265 bis E10 1270 hatten keine Handumläufe an der Front, während die Loks für den Rheinpfeil, die E10 1308 bis E10 1312 dann welche hatten. Es kam übrigens auch öfter vor, dass eine dieser fünf Loks vor dem Rheingold fuhr. Diese insgesamt 11 Loks hatten auch die sogenannten "Henschel-Drehgestelle", die sich von denen der späteren Serie unterschieden.
Zu den Domecars: Die erste Lieferserie aus 1962 umfasste nur 2 Wagen, die man leicht an den 8-reihigen Fensterbändern der Kanzel erkennt, während die drei 1963 in Dienst gestellten nur 4-reihige hatten. Die Wagen aus 1962 trugen auch den Schriftzug "Rheingold", während die 1963er mit "Deutsche Bundesbahn" beschriftet waren.
Übrigens sind erst im Sommer 2005 vier der Domecars wieder nach Deutschland gekommen, einer verblieb in Schweden, wo sie zuletzt lange abgestellt standen. Schön, dass diese gerettet wurden und nun könnte man zusammen mit dem einzig erhalten Buckelspeisewagen, der derzeit im Besitz des Eisenbahnkurier ist, wieder einen authentischen Rheingold auf die Räder stellen. Die Geschichte der Wagen ist wirklich bewegt, zuerst waren sie bei der IAO (Internationale Apfelpfeil Organisation) und nach deren Pleite fuhren sie dann in der Schweiz beim Reisebüro Mittelthurgau und schließlich landeten sie in Schweden.
Na ja, und als dann 1965 die Züge in den TEE-Status "erhoben" wurden, kam auch gleichzeitig die Farbumstellung auf rot-beige. Diese zog sich aber bis 1967 hin, sodass es zwischenzeitlich in den Zügen recht bunt zuging; Beispiel: Lok blau-beige oder rot-beige, Wagen blau-beige oder rot-beige, Speisewagen war manchmal ein roter WRümh64 (27,5 m-Wagen), zur Zugverstärkung kamen dann noch blaue 1. Kl.-Wagen hinzu.
Wer sich für diese Züge interessiert, dem sei das Buch "Rheingold – Luxuszug durch sechs Jahrzehnte" von Friedhelm Ernst empfohlen oder der 1963 gedrehte Film "F10 – Der Rheingold". Letzterer ist ein 23-minütiger Farbfilm mit Eindrücken von der guten alten Bundesbahn, der auf Video erhältlich ist.
Ein paar Infos findet man auch hier auf dieser Website:
http://www.heinrich-hanke.de/eisenbahn/reisezuege/rheingold_1962-1965.htm
Gruß, Claus