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Gützold Lokomotiven für Trix Express?

BeitragVerfasst: 18.12.2006, 11:51
von jacobhh
Guten Tag,

aus Rückerts Bücherversand habe ich mir einen Sammlerkatalog über Modellbahnen der ehemaligen DDR gekauft.
Darin werden Gützold-Lokomotiven beschrieben, die die Antriebsart "Dreileiter Gleichstrom" haben. Weiß jemand, ob dies bedeutet, das diese Maschinen auf Trix Express laufen?

Vielen Dank und beste Grüße

Thomas

BeitragVerfasst: 18.12.2006, 18:22
von Georg
Original von jacobhh
... Gützold-Lokomotiven ..., die die Antriebsart "Dreileiter Gleichstrom" haben. Weiß jemand, ob dies bedeutet, das diese Maschinen auf Trix Express laufen?


Leider laufen die Lokomotiven nicht auf Trix Express - Gleisen. Obwohl die Ähnlichkeiten unübersehbar sind, geht es leider nicht.

Die Anfänge der Modelbahnen in der DDR nach 1945 sind anfangs durch viele Firmen gekennzeichnet, die heute bis auf Piko und Gützold fast alle in Vergessenheit geraten sind.

Bei den ersten Konstruktionen von Pico (damals noch mit "c" geschrieben) von 1949 hat man eindeutig bei Trix abgekupfert. Die Lokomotiven hatten Wechselstrommotore (um korrekt zu sein: es sind Allstrommotore) wie es damals auch bei Trix und Märklin Standard war. Die ersten Piko Loks Me101 und Me102 ähneln im Aufbau sehr stark der damaligen zweiachsigen Trix Express – Lok 20/52.

Die Fahrtrichtungs-Umschaltung der Piko-Loks erfolgte (ähnlich Märklin) mit einem Überstromrelais: ein vom einem Magneten angezogener Anker drehte eine Schaltwalze jeweils 90° weiter (ähnlich alten Trix Express Wechselstromloks). Die Schaltwalze war allerdings nicht wie bei Trix als "eine lange Welle" ausgebildet. Man muß sie sich als eine quer zur Fahrtrichtung eingebaute "dicke Trommel" mit darauf befindlichen Kontakten vorstellen.

Im folgenden Bild ist die Unterseite der ersten "Pico Express" Lok zu sehen. Die Stromaufnahme erfolgt auf der einen Seite über die Räder aus Zinkdruckguß (leiden heute wie die ganze Lok meistens unter der Zinkpest). Die Räder der anderen Seite bestehen aus Bakelit. Über zwei isoliert angeordneten Schleifer, die denen einer Trix Express - Lok ähneln, erfolgte die Stromaufnahme vom durchgehenden Mittelleiter.

In der Literatur wird darauf hingewiesen, daß der Mangel an geeigneten Magnetmaterial der Grund für die Modellbahn-Wechselstromanfänge sei. Die Planwirtschaft bestimmte, daß alles hergestellte Magnetmaterial für die Herstellung von Fahrraddynamos und nicht für Spielzeug verwendet wurde.

BeitragVerfasst: 18.12.2006, 18:24
von Georg
Die Gützold BR 64 besaß schon Selenzellen, die eine Fahrtrichtungsumkehr der von einem 7-poligen Allstrommotor angetriebenen Lok ermöglicht. Die Selenzellen sind etwa 2 x 2 cm groß und befinden sich direkt unter dem Führerhausdach. Auch diese Lok hat noch Mittelleiterschleifer.

Dr Fahrtrichtungwechsel mit Selenzellen funktioniert ähnlich wie bei Märklin-Loks, in denen man den Märklin-Fahrtrichtungsschalter durch Dioden ersetzt, die Feldspule aber nicht durch einen Hamo-Magnet ersetzt hat.

BeitragVerfasst: 18.12.2006, 18:29
von Georg
Das folgende Bild zeigt oben die Piko E46 701. Die Lok hat noch die Stromaufnahme aus einer Seitenschiene und dem Mittelleiter. Die Schleifer für den Mittelleiter sind an dünnen Federdrähten montiert, die am Befestigungspunkt Isolierröhrchen tragen. Damit ist der Mittelleiterschleifer wie bei Märklin vom Fahrgestell isoliert.

Die untere Bildhälfte zeigt die E44 für das Zweileitergleichstromsystem. Der Strom wird nun über feine Federdrähte nur von den beiden mittleren Radsätzen aufgenommen. Die Federdrähte sind zwischen den beiden mittleren Radsätzen gerade noch zu erkennen.

BeitragVerfasst: 18.12.2006, 18:32
von Georg
Doch wenige Jahre später stand dann doch Magnetmaterial zur Verfügung und die Loks besaßen nun Gleichstrommotore. Bei der Stromaufnahme von der Mittelschiene blieb man aber noch zunächst.

Schließlich verzichtete man auch auf den Mittelleiter.

Die Schicht BR 03 hat schon einen gewöhnlichen Gleichstrommotor, wie ihn mancher aus der Loks der BR 24 64, 75 von Gützold kennt. Das Antriebsprinzig entspricht dem der Trix BR 64. Man sieht deutlich, daß die Schicht BR 03 mit anderen Schleifern genausogut auch den Strom von einer Mittelschiene hätte aufnehmen können. Die Stromaufnahme erfolgt fast so wie bei der Trix BR 01.

Man erkennt aber:

1. Der Mittelleiterschleifer ist (im Gegensatz zu Trix Express) vom Fahrgestell isoliert. Da die Kupplungen teilweise isoliert sind und wenn das anzukuppelnde Fahrzeug Kupplungen aus Kunststoff hat, gäbe es keine Probleme. Schon schwerer wiegt:

2. Alle Lokomotiven haben eine zu kurze Stromabnahmebasis, um auf Trix Express – Weichen störungsfrei laufen zu können. Aber am wichtigsten:

3. Die Spurkränze entsprachen schon damals denen der heutigen Zweileiterfahrzeuge.

Die Gehäuse sind aus Bakelit. Kunststoffteile findet man an den gezeigten Lokomotiven noch nicht. Diese alten Lokomotiven sind heute selten und für einen Dauerbetrieb nicht mehr geeignet. Insbesondere die Schicht BR 03 ist eine Rarität.

Georg

Sprachlos !!!

BeitragVerfasst: 18.12.2006, 23:30
von jacobhh
Hallo Georg,

ich bin sprachlos!

Vielen Dank für deine Ausführungen zum Thema.
So viel Fachwissen, so schnell, so auf den Punkt - toll!!

Vielen Dank für deine Mühe

Beste Grüße aus Hamburg

Thomas