E 94

Verfasst:
19.11.2010, 20:32
von dieter1
Hallo Freunde,
ich bräuchte einmal wieder Eure Hilfe.
Die auf den beiliegenden Fotos zu sehende E94 habe ich auf einem Flohmatkt erstanden.
Ich habe schon welche aber diese sprengt meine Kenntnis.
Motor ist ein anderer. Läuft mit meinem Trafo langsam.
Vielleicht doch Wechselstrom???
Die Achsanordnung ist auch so komisch.Alle werden angetrieben und die 3.+ 4.haben keinen Radkranz.
Was mach ich mit dem Teil?

Danke und viele Grüße
Dieter
Re: E 94

Verfasst:
20.11.2010, 12:39
von Georg
Hallo Dieter,
Die Achsanordnung soll bei diesem Modell so sein. Spätere Versionen haben den spurkranzlosen Radsatz in der Drehgestellmitte. Aber bei Deiner Lok, die um 1955-57 gefertigt wurde, ist das so richtig. Es ist eine E94 mit dem Umbau-Permamotor, der mit Gleichstrom läuft. Es ist keine Wechselstrom-Lok. Anstelle des Umschaltmechanismus befindet sich an der Stelle ein Gewicht.
Wenn die Lok nicht laufen will, kann ich Dir nur empfehlen, der Sache Schritt für Schritt auf den Grund zu gehen. Zuerst würde ich (weil am einfachsten) die Motorkohlen untersuchen. Prüfen ob die Kohlen nicht verbraucht sind, die Federn noch genügend drücken. Ersatz gibt es von Märklin. Dann muß die Lok höchstwahrscheinlich gereinigt und neu geölt werden. Wenn das noch nichts gebracht hat, mußt Du Dir den Motor vornehmen und den ausbauen.
Bevor Du daran gehst, kannst Du mal mit einem Meßgerät die Stromaufnahme des Motors prüfen. Wenn Du die Lok so wie auf dem Bild zu sehen, betreibst, sollte die Stromaufnahme um die 0,5 bis 0,6 Ampere liegen. Wenn Du den Probelauf der Lok auf der Seite liegend machst, wie im oberen Bild zu sehen: aufpassen, daß sich die Kardanwellen nicht aushaken.
.
Der Motor wird von den zwei großen Schrauben gehalten, die Du unten in der Lokmitte siehst. Um an die Schrauben zu gelangen, mußt du ggf. die Drehgestelle abbauen. Aufpassen! Die Drehgestelle (und die zugehörigen Kardanwellen) sind verschieden und dürfen nicht verwechselt werden. Übrigens bei allen abgebauten Teile sich merken, wie herum es zusammen gehört!
Dann solltest Du das Kegelradgetriebe mal öffnen und nachsehen, ob die Kegelräder nicht verschlissen sind. Das Getriebe muß mit Fett(!) gut geschmiert sein und ist wahrscheinlich nach so vielen Jahren völlig trocken.
Wenn der Motor dann immer noch nicht läuft, muß man die Stabmagnete, die links und rechts des Motorankers sitzen, untersuchen. Sie können ihre Magnetkraft verloren haben. Es gibt Motore, die auf jeder Seite einen Magnet haben, es gibt aber auch Motore, die auf jeder Seite zwei (also insgesamt 4) Stabmagnete haben. Die Magnete sind mit den Ankerjochen verklebt.
Bei einem Auseinanderbau müssen die Magnete genauso wieder in die Joche eingebaut werden. Korrekt zusammen gebaut , wollen sie scheinbar immer auseinander springen, weil sich die Magnete abstoßen (müssen!), das ist aber richtig. Wenn sie von selbst zusammenhalten wollen, ist es genau falsch. Deswegen sind Magnete und Joche werkseitig miteinander verklebt.
Wenn die Magnete wirklich zu schwach geworden sind, kann der Motoranker wegen zu hoher Stromaufnahme Schaden nehmen. D.h. er wird dann zu heiß geworden und brennt durch. Da die Lok aber noch läuft, dürfte der Anker nicht durchgebrannt sein. Er können aber (unsichtbar von außen) die inneren Ankerwindungen Schaden genommen haben. Ein Hinweis darauf ist eine zu hohe Stromaufnahme.
Viele Grüße Georg
Re: E 94

Verfasst:
20.11.2010, 12:58
von dieter1
Hallo Georg,
vielen Dank für Deine ausführliche Beschreibung.
Wird demnach nicht ganz so einfach sein wie bei den Loks neueren Datums.
2 linke Hände habe ich nicht und werde mich damit befassen und Deine Ratschläge mir zu Herzen nehmen.
Sie noch hervorragend im Lack und hat nirgend wo Abplatzer hat.
Außerdem habe ich diesen Typen noch nicht.
Ich denke auch das aufgrund der langen Lagerung (davon gehe ich aus, weil sie etwas steif wirkt und reagiert)das ganze Prozedere einer Inspektion durchgeführt werden muß.
Wie schon von Dir erwähnt kommen einige Faktoren zusammen.
Werde von vorn anfangen.
Wenn noch jemand Tips hat, nur zu...
lg
Dieter
Re: E 94

Verfasst:
23.11.2010, 18:32
von dieter1
Hallo,
habe die Lok auseinandergebaut, gereinigt , geölt und gefettet.
Motor läuft wie ein junger Gott.
Eine große Hilfe wäre, wenn jemand eine Art Schaltschema für mich hätte damit ich die Lok wieder zum Laufen bekomme ohne groß ausprobieren zu müssen welcher Draht wohin gehört.
Die Verdrahtung von den jüngeren E94 zu übernehmen geht leider nicht, da es dort völlig anders aussieht.
Nochmals Dank wenn mich jemand mit seinem Fachwissen unterstützen könnte.
+
lg
Dieter
Re: E 94

Verfasst:
23.11.2010, 23:19
von Georg
Dieter,
einen Schaltplan wird es für die Lok nicht geben. Da die Lok mit Gleichstrom betrieben wird, ist der Stromverlauf eigentlich einfach.
1. Eine der beiden Anschlüsse des Motors, bei meiner Lok ist es der Anschluß rechts vorne in Deinem Bild, ist mit Masse zu verbinden und ist damit automatisch mit den beiden Mittelleiterschleifern verbunden.
2. Dann benötigst Du von den beiden Außenschleifern in den Drehgestellen jeweils einen Draht zu dem anderen Motoranschluß. Bei meiner Lok ist es der Anschluß rechts hinten. Dann läuft die Lok schon.
Prüfe nun zunächst, ob die Lok in die richtige Richtung fährt. Wenn nicht, sind die Anschlüsse am Motor zu vertauschen. Dann wird in dieser Beschreibung aus vorne eben hinten und aus hinten wird vorne.
3. Da die Lok ja Beleuchtung hat, muß Du noch jeweils zwei Drähte von dem rechten hinteren Motoranschluß zu den Glühlampen verlegen. Wenn Du in diese Zuleitungen jeweils eine Diode einlötest, hast Du einen fahrtrichtungsabhängigen Lichtwechsel. Wenn der Lichtwechsel zufällig verkehrt herum erfolgt, muß die zugehörige Diode noch einmal wieder ausgelötet werden und umgedreht eingelötet werden.
4. Willst Du noch die Pantographen auf dem Dach anschließen? Da schaut auf Deinem Bild keck ein Draht in den Himmel; das dürfte der Draht sein, der bei deinem Modell zu einem Anschluß im Dach führte. In meiner Lok ist eine Kontaktfahne im Unterteil so eingebaut/eingelötet, daß die Kontakfahne bei aufgesetztem Dach genau den Dachstecker (der in einem der beiden isolierte Löcher im Dach steckt) trifft. Dann kann man das Dach komplett abnehmen und beiseite legen, ohne jedes Mal den Draht zu den Pantographen ablöten zu müssen. Der Draht vom Pantographen bzw. von der Kontaktfahne muß mit dem rechten hinteren Anschluß des Motor verbunden werden.
5. Du erkennst, daß da doch recht viele Drähte zu dem rechten hinteren Motoranschluß führen. Es gibt aber links vom Motor einen Lötstützpunkt auf einer Pertinax-Platte, an man die vielen Drähte zunächst zusammenführen kann. Und dann geht von diesem "zenralen" Lötstützpunkt nur ein Draht zum rechten hinteren Motoranschluß.
Das war es auch schon.
Viele Grüße Georg