Original von kladewa
... weil insbesondere meine 01 Probleme mit der Stromaufnahme über den Tender hat. ...
Der Tender der BR 01 hat vier Stromabnahmepunkte von der Außenschiene. Gerade bei dieser Lok kenne ich keine Kontaktprobleme. Selbst mit meinen Tender ohne Achsschleifer (Mikado 1020/2) habe ich keine Schwierigkeiten.
Du muß das Problem an Deiner Lok schon selber angehen und Stück für Stück alles durchprüfen. Wir können hier nur Tipps geben. Naheliegend sind verschmutze Tenderräder. Dann untersuche die Achsschleiffedern, die genügend Spannung haben sollten. Fehlt da etwa eine Feder oder sind sie nicht wirklich stamm, würde ich mich über Deine Probleme nicht wundern. Dann kann auch im Tenderinnern ein Kabelbruch vorliegen. Wie gesagt, daß sind nur ein paar Tipps, wo ich anfangen würde, um die Ursache zu finden.
Noch etwas:
Wenn Du die von Miximaxi vorgeschlagenen Versuche ausprobierst, schalte solange Dein EMS-System ab. Ich vermute, er hat bei seinem Vorschlag nicht daran gedacht, daß Du üblicherweise auch mit EMS-Loks fährst. Schließlich belastest du damit die Goldcaps mit einem Wechselstrom von fast 10 000 Hertz. Dafür sind sie eigentlich nicht vorgesehen.
Merke:
Kondensatoren lassen Gleichstrom nicht durch.
Bei Anlegen einer Gleichstromspannungsquelle (normaler analoger Fahrtrafo) passiert folgendes:
In dem Moment, in dem man die Spannungsquelle mit dem ungeladenen Kondensator verbindet, fließen schlagartig sehr viele Elektronen auf die mit dem Minuspol verbundene Platte. (Damit der Lokschleifer nicht verbrennt, ist deshalb der Vorwiderstand erforderlich, der diesen Vorgang etwas abmidert.) Gleichzeitig fehlen auf der anderen Platte des Kondensators die Elektronen, die auf die negativ geladene Platte "gepumpt" wurden. Diesen Vorgang nennt man Aufladen des Kondensators. Ist der Kondensator aufgeladen passiert zunächst weiter nichts.
Wenn nun die Spannungsquelle abgeschaltet wird, bleibt der Kondensator geladen, weil die Elektoden nirgends hin können. Wenn man jetzt z.B. ein kleines Lämpchen an den Kondensator anschließt, bekommen die "unter Druck stehenden" Elektronen auf der negativ geladenen Platte die Chance, diesen "Druck" abzubauen und fließen über das Lämpchen solange zur positiven Platte, bis sich auf beiden Platten gleichviele Elektronen befinden, d.h. bis alle zusätzlichen Elektronen auf die Platte zurückgekehrt sind, von der sie ursprünglich stammen. Dieses Entladen passiert genauso wie das Aufladen sehr schnell, so daß das Lämpchen lediglich kurz aufblitzt.
Nun aber das Verhalten des Kondensators bei Anlegen einer Wechselspannung. (EMS)
Dazu stelle man sich vor, daß die oben erwähnte Gleichspannung über einen Wechselschalter ganz schnell hin- und hergeschaltet wird. Wir erhalten so eine Rechteck-Wechselspannung. Bei jedem Einschaltvorgang läd sich der Kondensator umgekehrt auf. Und zwar schlagartig! Die entstehenden Ströme sind abhängig von der Häufigkeit des Umschaltens und Widerständen in den Leitungen. Auch wenn das sehr schnell geht, benötigt es doch eine gewisse Zeit.
Das EMS-Fahrpult arbeitet mit fast 10 000 Hertz. Der Kondensator wird bei dieser Frequenz pro Sekunde 10 000 mal schlagartig positiv aufgeladen, 10 000 mal wird die positive Spannung abgebaut, weitere 10 000 mal wird negativ aufgeladen und diese negative Spannung wird auch 10 000 mal abgebaut. Wie gesagt: alles innerhalb einer Sekunde!
Da wie gesagt, das Laden und und Entladen zwar sehr schnell geht, aber doch eine gewisse Zeit benötigt, verhält sich der Kondensator ab einer bestimmten Frequenz wie ein Widerstand. Diesen Effekt nutzt man in Lautsprecherboxen, um hohe und niedrige Töne (= Frequenzen) zu den dafür vorgesehen Lautsprechern zu leiten.
Auch wenn Du nur analoge Loks mit dem Kondensatoren ausrüstest, der Kondensator bekommt doch den Wechselstrom des eventuell eingeschalteten EMS-Fahrpultes zu spüren und reagiert entsprechend.
Wie wir im vorstehenden Absatz festgestellt haben, verhält sich der Kondensator ab einer bestimmten Frequenz als Widerstand. Das heißt aber auch, er nimmt Dir die Leistung des EMS-Fahrpultes weg, mit der Du eigentlich die EMS-Lok fahren willst. Die EMS-Lok läuft schlichtweg nicht mehr. Da zudem das EMS-Fahrpult aber keine Sinus-Spannung erzeugt, ist mit hohen Einschaltströmen zu rechnen. Die Schleifer der Lok sind dafür nicht vorgesehen und werden nicht lange ihren Dienst verrichten. Willst Du tatsächlich dauerhaft Kondensatoren in die analogen Loks einbauen, wirst Du Dich von dem EMS-System verabschieden müssen.
Georg