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Umbau einmal anders herum

BeitragVerfasst: 14.04.2011, 23:22
von Mechanik-Freak
Hallo,
ich habe eine Anfrage, ob man eine TE-V36 auf Märklin-System umbauen kann. :shock:

Mal abgesehen davon, daß die Lok nur noch rudimentär erhalten ist und sich eine Instandsetzung wegen der Menge an fehlenden Teilen aus meiner Sicht sowieso nicht lohnen würde...
Kann man eine Trix Express-Lok für den Einsatz auf Märklin-Wechselstrom (Betrieb mit Delta-Trafo auf C-Gleis - laut Kunde, aber das sagt mir alles nicht viel...) umrüsten? Klar ist mir dabei lediglich, daß hier auch ein Mittelleiter (Ski-Schleifer) vorhanden sein muß.
Passen die Radsätze, Isolierung der Räder, wie steht's denn dabei generell mit der Stromversorgung ... ?
Wie sieht's aus mit dem Umschalter für die Fahrtrichtungsänderung? Ist dafür Platz in einer V36, funktioniert das nur mechanisch oder kann man das auch elektronisch lösen, braucht man den überhaupt?
Kann man einen Perma- oder Mabuchi-Motor dafür einsetzen...

Hat das denn schon mal jemand gemacht????

Eigentlich hätte ich das auch locker unter der Rubrik "Kuriositäten" posten können, aber die Anfrage an mich war durchaus ernst gemeint. Und es würde mich nicht wundern, wenn trotz aller Bedenken und evtl. Kosten ein Auftrag daraus entstünde. Deshalb meine Frage...

Gruß,
Michael

Re: Umbau einmal anders herum

BeitragVerfasst: 15.04.2011, 12:43
von noels
Hallo Michael,
leider kann ich Dir keine erschöpfende Auskunft geben, aber ein paar Dinge sagen:
- Im Forum "Alte Modelleisenbahnen" gibt es genügen Märkliner, die vielleicht noch mehr sagen können.
- Delta ist eine abgespeckte Form von Digitalisierung. Du bräuchtest also einen Delta- Decoder.
- Die Umschaltung wird bei neuen Fahrzeugen siw nur noch elektronisch gemacht. Auch die Fahrzeuge von Fremdherstellern für Märklin, wie die V65 von Roco, haben einen Decoder, der die Umschaltung und Gleichrichtung des Stroms gleich mit erledigen.
- Am simpelsten wäre es daher, einfach einen Mfx- Decoder einzusetzen. Die meisten beherrschen wohl auch Delta- und Analogbetrieb.
- Die Räder für die Stromaufnahme umzurüsten, wäre wohl etwas aufwendig. Unsere sind ja isoliert. Also laß die seitenschleifer dran und montiere einen Skischleifer.
- Ganz wichtig, wenn man älter Märklinwagen mit Metallrahmen und Kupplung einsetzt: Unsere Loks sind über den Mittelschleifer mit der Gehäusemasse verbunden. Bei Märklin ist der Schleifer vom Gehäuse isoliert. Also sollte man Kunststoffkupplungen in die Lok einsetzen (z.B. aus älteren Express- Wagen). Sonst fließt der Strom vom Skischleifer der Lok über Rahmen -> Kupplung Lok -> Kupplung Wagen -> Räder Wagen auf die Außenschienen.

Der Sinn der Veranstaltung steht auf einem anderen Blatt.

Gruß
Heiko

Re: Umbau einmal anders herum

BeitragVerfasst: 15.04.2011, 14:49
von Georg
Der Sinn der Veranstaltung.... ja, Heiko, das sehe ich genauso.

Zum Delta-Dekoder
Das ist ein Dekoder, bei dem man die Digitaladresse mit Dip-Schaltern (sog. Mäuse-Klavier) einstellt. Der Dekoder funktioniert sowohl digital (im Motorola-Format) als auch analog. Eine mit diesem Dekoder versehene Lok kann also mit einem klassischen Märklin-Fahrpult gefahren werden, bei dem der Fahrtrichtungswechsel durch einem Überspannungsimpuls erfolgt. Diese Möglichkeit mag der Grund sein, warum der Anfrager einen Delta-Dekoder eingebaut wünscht.

Zur V36
Es gibt bekanntlich auch ein Modell von Märklin. Das Modell hat wegen des im Führerhaus eingebauten Märklin-Motors ein zu großes (zu langes) Führerhaus. Wem das zu große Führerhaus nicht stört, sollte zur Märklin-Lok greifen.

Einen Umbau der Trix-V36 macht meiner Meinung nach nur Sinn, wenn man sich an dem unmaßstäblichen Führerhaus der an sich gut gelungenen Märklin-Lok stört. Dafür handelt man sich an der Trix-Lok die als Batteriekästen getarnten Ausbuchtungen für die Motorbefestigung ein.

Man kann eine isoliernde Trix–Buchse "leitend" machen, in dem man bei dem Zusammenbau von Radscheibe, Buchse und Achse einige Kupferdrähte einer Litze mit "einklemmt" und so die Buchse überbrückt. Die Drähtchen sieht man erst, wen man danach sucht. Wenn man sich die unisolierten Radscheiben von der Märklin BR 81, BR 89 oder V36 besorgt und auf die Achsen der Trix-Lok montiert, hätte man die Massestromaufnahme von den Schienen natürlich professioneller gelöst und hätte gleichzeitig den richtigen Märklin-Spurkranz, der doch vom Trix International - Spurkranz abweicht. Sowohl Märklin als auch Trix verwenden Achsen mit 2 mm Achsdurchmesser. Ggf. müssen die Märklin-Radscheiben auf dem Trix-Achsen mit Loctite befestigt/gesichert werden.

Ob man auch die Blindwelle von der Märklin-Lok übernehmen muß? Der Abstand Achsmitte – Zapfenmitte ist (wenn man die Radsätze der BR 81 nimmt) bei den Märklin-Radsätzen 0,5 mm kleiner als bei den Trix-Radsätzen. Man wird daher auch die Blindwelle austauschen müssen. Ein Vergrößern des Loches in der Trix-Treibstange ist nicht ratsam, weil die Treibstange bei dem Trix-Modell der Kraftübertragung auf die dritte Achse dient. Bekanntlich ist gerade die Kraftübertragung über die Treibstange häufig ein Grund, warum die Trix-V36 nicht läuft (verdrehte Radscheiben).

Bei dem Trix Express - Modell der V36 ist die Bodenplattes, welche das Herausfallen der Radsätze verhindert, aus Metall. Bei den ersten International-Versionen der V36 war dieses Teil geteilt: teilweise aus Metall, teilweise aus Kunststoff. Bei den späteren International-Modellen (mit aufgedruckter Loknummer) ist die gesamte Bodenplatte aus Kunststoff und mit drei Schrauben befestigt. Nimmt man ein solches Trix-Modell als Basis, kann man einen Ski-Schleifer direkt isoliert unter der Lok anbringen. Untersucht werden müßte, ob die Bodenfreiheit für einen Original Märklin-Schleifer noch ausreichend ist. Bei der Märklin BR 81 stehen für den Schleifer ab Schienenoberkante 3,5 mm zur Verfügung . Bei dem Trix-Modell etwa 2,5 mm Es gibt aber von anderen Herstellern flachere Ski-Schleifer, die weniger Platz beanspruchen.

Und dann kann man noch den Trix Permamotor durch einen Mabuchi-Motor ersetzten. Bekanntlich ist dem Ingenör nichts zu schwör. Aber da ist man wieder bei Heikos Frage: lohnt sich der ganze Aufwand?

Erinnert werden sollte in diesem Zusammenhang auch an die Lima-V36. Wegen des Märklin-Modells hat Lima aber nie eine Wechselstromversion angeboten.

Viele Grüße Georg

Re: Umbau einmal anders herum

BeitragVerfasst: 27.04.2011, 23:26
von Mechanik-Freak
Hallo an alle,
erst mal vielen Dank für die ausführlichen Infos. Auch im Hintergrund per Mail ist da viel bei mir angekommen.
Wie schon erwähnt - ich hatte es befürchtet - das ist jetzt definitiv ein Auftrag. In den nächsten Tagen wird das Teil also bei mir eintrudeln.

Sinn der Veranstaltung? Reine Sentimentalität, wenn ich das richtig verstanden habe.

Georg hat geschrieben:Sowohl Märklin als auch Trix verwenden Achsen mit 2 mm Achsdurchmesser.


Wie das bei Märklin ist, weiß ich nicht, bei der TE-V36 ist der Achsdurchmesser 2,5mm. Märklin-Radscheiben müßte ich also ggf. aufbohren.

Was die Spurkränze angeht, werde ich mir ein Muster-Rad mitschicken lassen und die TE-Radsätze entsprechend abdrehen. Das erscheint mir einfacher, als Radscheiben und Blindwelle zu organsieren und nachzuarbeiten. Dann dürften nämlich auch die Kuppelstangen nicht mehr passen, wenn der Abstand Achsmitte - Zapfenmitte um 0,5mm abweicht.

Ich bin jedenfalls schon mal gespannt. Mal was Anderes.

Falls Interesse besteht, kann ich den Umbau hier ja mal dokumentieren...

Ich denke, daß ich das auf jeden Fall auf meine Hompage packen werde.

Gruß,
Michael

Re: Umbau einmal anders herum

BeitragVerfasst: 28.04.2011, 12:20
von Georg
Mechanik-Freak hat geschrieben:
Georg hat geschrieben:Sowohl Märklin als auch Trix verwenden Achsen mit 2 mm Achsdurchmesser.

Wie das bei Märklin ist, weiß ich nicht, bei der TE-V36 ist der Achsdurchmesser 2,5mm. Märklin-Radscheiben müßte ich also ggf. aufbohren.


Michael,

stimmt! Aber Du brauchts nicht zu bohren, die Märklin-Achsen sind auch 2,5 mm dick. Allerdings haben die Löcher in den Märklin-Rädern etwas Untermaß, damit sie auf der Achse festsitzen. Sie lassen sich nicht so leicht wie ein Trix-Rad mit Nylon-Buchse aufziehen.

Viele Grüße Georg

Re: Umbau einmal anders herum

BeitragVerfasst: 02.06.2011, 13:45
von Mechanik-Freak
Es ist vollbracht! Die V36 ist wieder funktionsfähig und mit einem Delta-Decoder ausgerüstet.
Ohne den Decoder läuft sie sehr gut, nur mit dem Teil -alles korrekt angeschlossen- tut sich rein gar nichts.
Ich gehe mal davon aus, daß der Decoder in Ordnung ist. Müßte denn nicht wenigstens ein Lämpchen leuchten, wenn ich 5-6 Volt Gleichspannung anlege? Oder funzt das Teil nur mit Wechselstrom?

Gruß, Michael

Re: Umbau einmal anders herum

BeitragVerfasst: 02.06.2011, 18:46
von Peter Tümmel
Hallo Michael,

das kann ich dir zwar nicht sagen, aber einen Tipp geben.
Frag doch mal die Märklin-Spezialisten bei http://www.Railroad24.de.

Gruß Peter

Re: Umbau einmal anders herum

BeitragVerfasst: 02.06.2011, 22:08
von PaTrix
Hallo Michael,
Mechanik-Freak hat geschrieben:... Oder funzt das Teil nur mit Wechselstrom? ...

Ich meine dazu: "Gib Wechselstrom, was Wechselstrom verlangt!" :?

Hast Du Dir schon eine behelfsmässige Testumgebung mit Wechselstrom eingerichtet und so probiert!? :!:

Du könntest von einem Standard TRIX-Trafo den WS-Ausgang benützen, dazu einen alten TRIX WS-Regler dazwischenhängen und so die Lok mit Delta-Decoder wenigstens bis max. 14 V WS-Spannung ausprobieren!

Nach meinen Recherchen erwartet der Delta-Decoder eine WS-Spannung von min./max. 21 V!

ich drück' Dir die Daumen, dass Dein Umbauprojekt noch erfolreich abgeschlossen werden kann! :wink:

Mit TRIXigen Grüssen
PaTrix

Nachtrag vom 3-Jun-11:
Vielleicht kann diese Website noch weiterhelfen:
- Decoder, inkl. Einbau und Testvorgehen: http://www.stayathome.ch/lokdecoder.htm
- Decoder - Märklin-Typen: http://www.stayathome.ch/decoder.htm#Märklin
- Decoderanschlussfarben bei Märklin: http://www.stayathome.ch/MDecoder.htm

Re: Umbau einmal anders herum

BeitragVerfasst: 03.06.2011, 12:03
von Hans
Hallo Michael,

es gibt viele verschiedene Delta Decoder von Märklin. So z.B. Decoder für Feldspulen oder Magnetspulenmotoren (Märklin Allstrom oder DC Motoren), mit automatischer Umschaltung oder mit manueller Umschaltung für AC Betrieb, 8 oder 4 Dip Schaltern.
Du benötigst jedenfalls die passende Anleitung zu deinem Decoder um diesen richtig einzustellen, vielleicht kann auch die Herkunft (aus welcher Lok?) weiterhelfen.

Guckst Du:
http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4rkl ... lta-System

Viele Grüße
Hans
www.3fengel.de

Re: Umbau einmal anders herum

BeitragVerfasst: 04.06.2011, 17:06
von Mechanik-Freak
Hallo Hans,
der Decoder kann sowohl für Allstrom- als auch für DC-Motoren verwendet werden. Kommt nur auf die Anschlüße an. Bei DC-Motoren werden nur grün und blau verwendet. So habe ich das auch angeschlossen. Er stammt aus einer Märklin Industrielok 36500. Ein Datenblatt zu dem Decoder habe ich nicht gefunden, das hätte mir vielleicht weitergeholfen.
Die Decoder mit dem Mäuseklavier passen in die Lok erst gar nicht rein. Kein Platz dafür, weder mit Permamotor noch mit Mabuchi-Motor. Egal, wo ich den dann hinpacken will, das Gehäuse geht nicht mehr zu. Die einzige Möglichkeit war also den Decoder aus der Industrielok zu verwenden. Siehe Anhang.
Mittlerweile habe ich aber die Info, daß alle Deltadecoder -auch die neueren- nur das Märklinprotokoll verstehen (also mit DCC nix anfangen können) und analog auch nur mit Wechselstrom betrieben werden können. Dank an Peter für den Link zu Railroad24.
Zum Testen bräuchte man also mindestens einen Deltatrafo, zum programmieren eine Märklin Digitalstation. Mit meinen Mittlen wird das also nix.
Ob der Decoder aber auch abwärtskompatibel ist und sich mit einem normalen Deltatrafo dann auch ansteuern läßt, konnte mir bisher niemand sagen.
Es bleibt also weiter spannend für mich.

Gruß, Michael

PS: Vielen Dank an alle, die mich Ersatzteile für die V36 versorgt haben :-)

Re: Umbau einmal anders herum

BeitragVerfasst: 05.06.2011, 11:37
von Hans
Hallo Michael,

Zitat aus Wikipedia: Decoder für das Delta-System sind aufwärtskompatibel, also uneingeschränkt sowohl mit Delta System, dem Märklin-Digital-System als auch auf dem Märklin Systems einsetzbar.

Dein Decoder hat aber keine Lötbrücken und da keinen Dip Schalter, womit er kein klassischer Delta Decoder ist, sondern mit den gängigen Märklin Zentralen (Control Unit,
Mobile Station 1 + 2, Central Station) digital auf alle üblichen MM Adressen einstellbar ist. Der Decoder müsste auf die Adresse 72 voreingestellt sein, denn die Startadresse der DHG 500 ist laut Märklin die 72 bei neuen DHG 500 Loks.
Ist die Lok gebraucht, ist die Adresse eventuell geändert worden und muss dann mit einer Märklin Zentrale ausgelesen/ermittelt werden. Veränderbar sind auch Anfahr- und Bremsverzögerung (ABV) sowie die Höchstgeschwindigkeit. Mit Adresse 72 ist die Lok auch mit Delta Zentralen ansteuerbar.

Zusammengefasst:
Die Delta Decoder können also sowohl mit AC Wechselstrom als auch MM Motorola Digital (Delta, Central Control Unit, Märklin Mobile Station) betrieben werden.
Delta Decoder können nur auf bestimmte Adressen eingestellt werden und mit diesen auf allen üblichen Märklin Systemen angesteuert werden.
Delta Zentralen können nur die Adressen 24, 60, 72, 78 und 80 ansteuern.
Wenn ich heute eine Trix V36 für Märklin digitalisieren müsste, würde ich einen Decoder von ESU oder Uhlenbrock nehmen. So z.B. den LokPilot micro V3.0 für MM, DCC oder SX und ein Mabuchi mit Schwungmasse. Dieser Decoder passt ohne Probleme.

Viele Grüße
Hans

Re: Umbau einmal anders herum

BeitragVerfasst: 07.06.2011, 19:21
von Mechanik-Freak
Herzlichen Dank Hans für deine umfassende und ausführliche Information.
Das hat mir sehr geholfen.

Gruß,
Michael