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Bakelit-Gleise

BeitragVerfasst: 17.04.2006, 11:10
von Frank Bertram
Hallo Trix Freunde!

Frohe Ostern zusammen!

In Mijdrecht habe ich u.a. gerade Bakelit-Gleise (fast neuwertiger Zustand) erwerben können; dabei ist mir aufgefallen, daß die auf der Unterseite der Schienen eingeprägten Nummern von meinen bisherigen abweichen, obwohl alles Made in Germany ist.

Eine Prüfung der vorhanden Gleise brachte folgende Nummern zum Vorschein:

Gerade Gleise: 1354 Unternummern 1,2,3,4,6 und 7
gebogene Gleise: 1355 Unternummern 1,2,3,6 und 15355/II mit Unternummern 1-7

zum Teil mit runden (ovalen) Stempeln Trix Express bzw. Germany, zum Teil ohne Umrandungen, zum Teil eckigen Stempeln.

Wer kann mir hierzu etwas sagen?

Daneben habe ich auch einzelne TTR- Schienen.

Gruß

Frank Bertram
Anschlußgleise: 1355/II Unternummern 3 und 5

Bakelit-Gleise (Nachtrag)

BeitragVerfasst: 17.04.2006, 11:41
von Frank Bertram
Hallo Freunde,

die Weichen haben natürlich auch Stempel: Nr. 1398 z.B.., die Anschlußgleise: 1355/II Unternummern 3 und 5 und Kreuzung ohne Nummer .

Ich vermute, daß die Unternummern Chargennummern der verschiedenen Hersteller-Firmen sind, aber wieso mal Untergruppe I, mal II?

Gruß

Frank

BeitragVerfasst: 17.04.2006, 15:21
von Georg
Hallo Frank

Der Bakelit-Teil des Gleises wurde von Trix hinzugekauft. Die Preßwerk AG in Essen war der Lieferant. Sicher hat jeder hat schon einmal auf einem Erzeugnis der Firma Preßwerk AG gesessen. Denn die braunen anatomisch geformten Holzsitze, die es früher in jeder Straßenbahnen gab, stammen alle aus dieser Fabrik.

Die Stege unter dem Gleis bilden zwei "Kästchen". In dem linken stehen die Informationen, die Trix benötigte, in dem rechter die Informationen bezüglich des Herstellers des Bakelits. So steht im rechten Kästchen vor den oben erwähnten Nummern 1354 und 1355 links davor ein kleiner Kreis. Mit der Lupe kann man da lesen P A.G. (ein Kreis, der ein großes P enthält und in dem Freiraum unter dem P wesentlich kleiner A.G.) , das ist das Firmenzeichen der Preßwerk AG.

Rechts von der Nummer ist ein weiterer Kreis
Das ist das Zeichen der Materialprüfungsanstalt in Berlin-Dahlem. Mit etwas Phantasie kann man aus den Zeichen ein M und ein P herauslesen, das für Material und Prüfung steht. Oben links im Kreis steht verschlüsselt die Firma: die Preßwerk AG hatte die Nummer 45.
Unter dem M steht verschlüsselt der verwendetete Füllstoff. Wir finden auf den Trix-Gleisen ein "S", das bedeutet, daß dieses Bakelit-Material Sägemehl (und Wollflusen) als Füllstoff enthält. Was für ein Glück: denn wenn dort die Zahl 2, 3, 4 stehen würde, hätte man als Füllstoff Asbest genutzt.

Bei ganz alten Bakelit-Gleisen steht hinter dem Namen Trix Express die Nummer 20/1. Das war die Bestellnummer für das gerade Gleis in Deutschland. Man hat aber irtümlich das gebogenen Gleis auch mit der Nummer 20/1 anstatt mit der richtigen Nummer 20/4 versehen. Da die Gleise in anderen Länder unter anderen Artikelnummer verkauft wurden, war das wenig hilfreich und man hat es fortgelassen.

So lassen sich die von Dir aufgefundenen Nummer 1354 und 1355 wohl so erklären: die Formen für die Gleisbettung wird man nicht immer von Nürnberg nach Essen gebracht haben, wenn wieder ein Quantum benötigt wurde. So werden die Formen in Essen gelagert worden sein. Damit die PAG nun aber auch das richtige Form aus ihrem Lager nahm, versah die PAG die Formen mit ihrer internen Artikelnummer, die nichts mit der Trix-Nummer zu tun hatte. Meines Erachtens ist die 1354 und die 1355 die PAG-Nummer der Formen. Die römische II hinter dem Schrägstrich deutet auf die zweite Auführungsform hin. Es gibt Gleise ohne Schrägstich und der römischen II. Dort steht eben nur 1354 bzw. 1355. Bei diesen Gleisen sind die drei Querstege wesentlich zierlicher. Vermutlich hat sich herausgestellt, die diese Gleise beim Drauftreten leicht zerbrechen und man hat die Stege bei der "/II" verstärkt.

Nun noch die kleine Zahl unter der 1345 bzw. 1355. Bei Gleisen mit den dünnen Stegen ( also ohne "/II" ) fand ich als höchstes die Nummer 9. Da kann ich nur Vermutungen anstellen. Es könnte verschlüsselt das Produktionsjahr sein. Oder die Nummer steht für eine einzelne Charge. Falls der Ausgangsstoff fehlerhaft war, hätte man so verfolgen können, um welche Charge es sich handelte. Wegen der benötigten Stückzahl an Gleisen und der Wichtigkeit - ohne Gleise konnte man die Bahn nicht verkaufen – halte ich es für wahrscheinlich, das mehrere gleichartige Formen existiert haben. Möglicherweise war die Maschine auch in der Lage mit einem Arbeitsschritt mehr als eine Gleisbettung zu fertigen. Um dann Formfehler einer bestimmten Form zuordnen zu können, numeriert man die Form fortlaufend.

Für die englische TTR-Bahn wurden die Gleise anfangs von Nürnberg bezogen. Später hat man aber eine eigene Fertigung aufgezogen und die Bakelit-Teile von Ebonestos Industries London SE15 bezogen. Diese Gleise tragen englische TTR-Bezeichungen im linken Kästchen.

Das Gleisbett des Anschlußgleises unterscheidet sich nicht vom normalen Gleis und hat folglich die gleiche Nummer.

"Kreuzung ohne Nummer"
Die Kreuzung wird auch eine Nummer haben, nur wird die unter den Kontaktverbindern versteckt sein.

Georg

Bakelit-Gleise

BeitragVerfasst: 17.04.2006, 15:32
von Frank Bertram
Georg,

herzlichen Dank für Deine Aufklärung. Daß Du das am Feiertag aus dem Ärmel schüttelst ist beeindruckend.

Ich habe übrigens auch einmal ein gerades Bakelit-Gleis ohne jegliche Nummerierung (nur Trix Express stand darauf) gehabt. Vielleicht finde ich es wieder und es war eine Fehlprägung.

Sägemehl - nun gut, besser als Asbest ist das ja alle Mal. Was haben die Kunststoffler denn sonst noch so als Füllmaterial benutzt?

Gruß

Frank Bertram

BeitragVerfasst: 17.04.2006, 16:16
von Georg
Bertram

Original von Frank Bertram
Sägemehl - nun gut, besser als Asbest ist das ja alle Mal. Was haben die Kunststoffler denn sonst noch so als Füllmaterial benutzt?



Bakelit ist im deutschen Sprachverständnis ein Material, das aus Phenolharz als Bindemittel und eben einen Füllstoff besteht. Darin untescheidet es sich von den uns heute bekannten Kunststoffen. Bei den oben erwähnten Straßenbahnsitzen war der Füllstoff Sperrholz. Ansonsten werden organische Fasern wie Sägemehl verwandt. Bekelit ist von Natur aus schwer entflammbar. Kam es besonders auf die Feuersicherheit an, nahm man als Füllstoff eben Asbest. Es ist nach dem Aushärten sehr formstabil - auch bei Hitze, wird aber von Spiritus und Alkohol langfristig gelöst. Und würde man als Füllstoff Hartpapier nehmen, bekäme man eine Pertinax-Platte.

Georg

Bakelit-Geleise

BeitragVerfasst: 18.04.2006, 12:16
von Richard
Hallo Bertram

Solche Massenteile, wie es Gleise sind, werden immer in Mehrfachformen hergestellt. Jedes Formnest einer solchen Mehrfachform ist mit einer Nummer, Punkten o.ä. gekennzeichnet.
Werden bei der Qualitätskontrolle fehlerhafte Teile gefunden, so ist das dazugehörende Formnest leicht zu identifizieren und kann korrigiert werden.
Die "Unternummern" haben also für das fertige Produkt keine Bedeutung mehr.

Freundliche Grüsse
Richard

Unternummern bei Bakelitgleisen von TE

BeitragVerfasst: 18.04.2006, 15:49
von Frank Bertram
Hallo Richard und Georg,

vielen Dank. Das mit den gekennzeichneten Chargen habe ich mir schon gedacht.

Georg: kann die Produktion der Gleise in Nürnberg (für Großbritannien z.B.) außer ggf. am TTR- Stempel erkannt werden (tragen diese Gleiuse womöglich auch nur das Trix Express Signet)?

Wie gesagt, ein paar Schienen tragen das Trix Express Signet ohne Umrandung, ein paar im ovalen Feld, wiederum ein paar im Rechteck. Das könnte doch auch etwas zu bedeuten haben (ggf. Vorkriegs- und Nachkriegsproduktion).

Gruß

Frank Bertram

PS: die Sache mit den Buchstaben und Zahlen wie z.B. K9 (K-ter Monat im Jahr 9, evtl. 1939 oder 1949) ist mir klar.

BeitragVerfasst: 18.04.2006, 19:09
von Georg
Das gebogene Trix Espress - Bakelitgleis hatte die Nummer 20/4. Wie schon erwähnt, wurde die Nummer auf dem gebogenen Trix Express-Gleis anfangs mit der falschen Nummer 20/1 (die für das gerade Gleis) angegeben.

Es ist zu vermuten, daß die Form nicht bei Trix entstand (,die hätten es sofort bemerkt), sondern von der Preßwerk AG angefertigt wurde (, die natürlich der 20/1 bzw. 20/4 keine Bedeutung zumaß) ?

Ende 1936 wurde in England die Artikelnummer für das gebogene Gleis in England auf 410/1 geändert.

Am 11. Juni 1937 wurde in England ein Patent auf die Gleiskonstruktion erteilt. Zuvor stand unter dem gebogenen Gleis:

TTR
TRIX TWIN RAILWAY
410/1
MADE IN ENGLAND
BRITISH PATENT PENDING
PATENTED ABROAD

Nach der Erteilung des Patents hat man sofort mit Farbe das "Pending" (= angemeldet) durchkreuzt und durch "No. 439744" ersetzt. Später hat man die Form entsprechend geändert.

Es könnte sein, daß die Farbe, mit der das "PENDING" durchkreuzt wurde, im Laufe der Zeit verloren geht. So wie das im Bild gezeigte Gleis jetzt aussieht, kann man den Herstellungszeitraum auf die erste Hälfte 1937 eingrenzen.

Georg