Zigarre reloadet
Hallo zusammen,
Ein kleines Fazit zur zweiten Limburger Zigarre:
Im Januar hatte ich meine Zigarre bekommen, wohl eines der ersten Exemplare. Das Modell war ein ziemliches Fiasko. Um einer jungen Firma, die für uns Modelle fertigt zu helfen, habe ich seinerzeit nichts großartig darüber geschrieben, sondern einen Mängelbericht an Herrn Vincon geschickt und auf die Verbesserungen gewartet.
Die wesentlichen Kritikpunkte seinerzeit:
1. Das Fahrzeug lag zu hoch
2. Der Lack war besonders im Dachbereich zu dick, die Linien teilweise unsauber gezogen
3. Der Schleiferabstand passt nicht für hintereinanderliegende DKW. Die Schleifer konnten nicht ausreichend nach oben ausweichen, so dass die Zugkraft kaum für den Wagen selbst reichte
4. Vom Spitzenlicht war nichts zu sehen
5. Die ausschwenkbaren Schürzenteile hingen teilweise erbärmlich schief herunter. Die Mitnehmer für die ausschwenkbaren Schürzen an den Drehgestellen sprangen über
6. Die Haftreifen liefen unrund
7. Das Laufgeräusch war besonders in den Kurven unerträglich
8. Die Geschwindigkeit war zu niedrig
In den ersten beiden Wochen habe ich das Fahrzeug völlig auseinandergenommen und in regem Schriftverkehr mit Herrn Vincon nach den Fehlern hinsichtlich des Fahrverhaltens gesucht.
In Mijdrecht sollte ich dann endlich ein fehlerbereinigtes Exemplar bekommen. Erstaunlicherweise ließ sich erst das fünfte Exemplar überreden, halbwegs vernünftig durch die Kurven der Testanlage (R2 !!) zu fahren, so dass ich bereit war es mitzunehmen.
Nun Habe ich diesen VT ausgiebig getestet und will auf die oben genannten Punkte nochmals eingehen:
1. Durch weggelassene Unterlegscheiben auf dem Drehzapfen liegt der Triebwagen etwas niedriger, aber immer noch zu hoch
2. Die Lackierung ist besser geworden, aber immer noch recht dick. Andererseits ist sie wohl recht griffest.
3. Dem unpassenden Schleiferabstand begegnet man am einfachsten, indem man unter einem Drehgestell einen Skischleifer montiert. Ich habe den von BEMO verwendet.
4. Durch eine weitere Diode ist das Licht wirkungsvoll verbessert. Warum war dieser Pfennigartikel anfangs eingespart?
5. An diesem Exemplar hängen auch zwei der vier Schürzen schief, so dass wieder eine Stunde Eigenleistung angesagt ist. Liegt ein Steigungswechsel in einem Bogen springen die kleinen Mitnehmerzapfen immer noch über. So habe ich mir wieder kleine Verlängerungen daran geklebt
6. Die Haftreifen dieses Exemplars sind ok.
7. Das Laufgeräusch in Kurven hat sich durch verschiedene Maßnahmen leicht verbessert. So hat man die Kugelpfannen des Kardans Etwas geschwächt, dass sie nicht mehr an den Federn der Schürzen schleifen. Den Rädern hat man im Schwenkbereich am Rahmen etwas mehr Platz gegeben. Die eigentliche Ursache liegt aber in der Kombination von zu langen, unpräzisen Kardanwellen mit der zu hohen Drehzahl und dem irren Ausschlagwinkel auf dem Drehgestell.
Um das zu ändern, müsste man die Motorwelle verlängern mit einer zusätzlichen Abstützung, damit das Abwinkeln des Kardans sich gleichmäßiger auf beide Gelenke verteilt. Die Drehzahl müsste gesenkt werden. Bei hoher Fahrgeschwindigkeit biegt sich der Kardan in der Mitte bis zu 5 mm durch, schlägt sogar an die Innenverkleidung.
8. In der Epoche IV war das Fahrzeug im Original für 100 Km/h zugelassen. Die MIBA hat im Aprilheft eine maßstäbliche Geschwindigkeit von 92 Km/h gemessen. Wie wird das mit einem zusätzlichen Steuerwagen? Hätte man das zulässige NEM Maß ausgenutzt (ein leichtes Überschreiten wäre auch kein Beinbruch), würde man die Mechanik schonen und hätte das Geräuschproblem reduziert. Mit 10V fährt der VT nämlich recht zivilisiert durch die Kurven, aber eben viel zu langsam. Dafür ist auch die Serienstreuung der Motoren keine Entschuldigung. So groß ist die nämlich nicht. Herr Vincon sagte, bei Versuchen wäre ihm der Triebwagen aus der Kurve geflogen.....Bestimmt nicht, weil er zu schnell war.
Wie gesagt, bin auch ich dankbar, dass eine Firma etwas für uns anbietet. Ich wünsche Naumburg & Partner von ganzem Herzen Erfolg. Aber dafür ist ein gewisser Qualitätsstandart unerlässlich. Besonders die Punkte 7. und 8. sind sehr ärgerlich. Ich verstehe, dass man das jetzt in der Serie nicht mehr ohne weiteres ändern kann. Aber das wäre bei ordentlichem, ingenieurmäßigem Arbeiten vermeidbar gewesen. Ich bin selbst Ingenieur und habe die Vorgehensweise bei Neuentwicklungen in meiner Ausbildung anders gelernt. Das gab es sogar als eigenes Unterrichtsfach an meiner Fakultät. Auch in der Firma, in der ich arbeite, passiert es, dass diese Grundregeln einmal verletzt werden. Aber dann müssen wir dazu stehen und diese Fehler vollständig auf unsere Kosten beseitigen, um die Kunden nicht zu verlieren. Sind solche Fehler wiederholt einem Mitarbeiter zuzuordnen, muß er die Konsequenzen tragen. Ist man selbstständig, feuert einen zwar nicht der Chef, langfristig aber der Kunde. So sind die Folgen letztlich die gleichen.
Herr Vincon wollte mit der Zigarre vor dem avisierten Konkurrenzprodukt auf dem Markt sein. Er meinte auch, Kritik wäre hauptsächlich von uns Expresslern gekommen, weniger von NEM- und Märklin- Kunden. Ich hoffe für ihn, dass ich mit meiner Interpretation falsch liege: Die jetzigen Expressfahrer sind allesamt engagierte Modellbahner und sagen daher schneller etwas. Andere ärgern sich vielleicht mehr still, beschweren sich bestenfalls bei ihrem Händler (das habe ich öfters erzählt bekommen) und kehren der Marke den Rücken. Wäre ich NEM- Fahrer, hätte ich auch meine Zigarre stumm dem Händler zurück gegeben und auf das Konkurrenzprodukt gewartet. Jedenfalls habe ich keine begeisterten Berichte über die Zigarre gehört, oder gelesen und bei den Expresslern eher den Eindruck, dass sie wohlwollend schweigen, damit es noch weitere Produkte für uns gibt. Aber wenn N & P nicht an den anderen Modellbahnern vernünftig verdient, gibt es für uns auch nichts mehr. Deshalb halte ich konstruktive Kritik für unerlässlich, damit es in Zukunft besser wird.
In der Folge werde ich jedenfalls kein Modell mehr direkt und unbesehen bestellen, geschweige denn vorab bezahlen, sondern warten, bis es beim Händler ist, dort probieren und gegebenenfalls liegen lassen.
Mich würde interessieren, wie die Kollegen das sehen, also, ob ich das Modell zu kritisch sehe, oder andere die gleichen Erfahrungen gemacht haben.
Gruß
Heiko Mehnert
Ein kleines Fazit zur zweiten Limburger Zigarre:
Im Januar hatte ich meine Zigarre bekommen, wohl eines der ersten Exemplare. Das Modell war ein ziemliches Fiasko. Um einer jungen Firma, die für uns Modelle fertigt zu helfen, habe ich seinerzeit nichts großartig darüber geschrieben, sondern einen Mängelbericht an Herrn Vincon geschickt und auf die Verbesserungen gewartet.
Die wesentlichen Kritikpunkte seinerzeit:
1. Das Fahrzeug lag zu hoch
2. Der Lack war besonders im Dachbereich zu dick, die Linien teilweise unsauber gezogen
3. Der Schleiferabstand passt nicht für hintereinanderliegende DKW. Die Schleifer konnten nicht ausreichend nach oben ausweichen, so dass die Zugkraft kaum für den Wagen selbst reichte
4. Vom Spitzenlicht war nichts zu sehen
5. Die ausschwenkbaren Schürzenteile hingen teilweise erbärmlich schief herunter. Die Mitnehmer für die ausschwenkbaren Schürzen an den Drehgestellen sprangen über
6. Die Haftreifen liefen unrund
7. Das Laufgeräusch war besonders in den Kurven unerträglich
8. Die Geschwindigkeit war zu niedrig
In den ersten beiden Wochen habe ich das Fahrzeug völlig auseinandergenommen und in regem Schriftverkehr mit Herrn Vincon nach den Fehlern hinsichtlich des Fahrverhaltens gesucht.
In Mijdrecht sollte ich dann endlich ein fehlerbereinigtes Exemplar bekommen. Erstaunlicherweise ließ sich erst das fünfte Exemplar überreden, halbwegs vernünftig durch die Kurven der Testanlage (R2 !!) zu fahren, so dass ich bereit war es mitzunehmen.
Nun Habe ich diesen VT ausgiebig getestet und will auf die oben genannten Punkte nochmals eingehen:
1. Durch weggelassene Unterlegscheiben auf dem Drehzapfen liegt der Triebwagen etwas niedriger, aber immer noch zu hoch
2. Die Lackierung ist besser geworden, aber immer noch recht dick. Andererseits ist sie wohl recht griffest.
3. Dem unpassenden Schleiferabstand begegnet man am einfachsten, indem man unter einem Drehgestell einen Skischleifer montiert. Ich habe den von BEMO verwendet.
4. Durch eine weitere Diode ist das Licht wirkungsvoll verbessert. Warum war dieser Pfennigartikel anfangs eingespart?
5. An diesem Exemplar hängen auch zwei der vier Schürzen schief, so dass wieder eine Stunde Eigenleistung angesagt ist. Liegt ein Steigungswechsel in einem Bogen springen die kleinen Mitnehmerzapfen immer noch über. So habe ich mir wieder kleine Verlängerungen daran geklebt
6. Die Haftreifen dieses Exemplars sind ok.
7. Das Laufgeräusch in Kurven hat sich durch verschiedene Maßnahmen leicht verbessert. So hat man die Kugelpfannen des Kardans Etwas geschwächt, dass sie nicht mehr an den Federn der Schürzen schleifen. Den Rädern hat man im Schwenkbereich am Rahmen etwas mehr Platz gegeben. Die eigentliche Ursache liegt aber in der Kombination von zu langen, unpräzisen Kardanwellen mit der zu hohen Drehzahl und dem irren Ausschlagwinkel auf dem Drehgestell.
Um das zu ändern, müsste man die Motorwelle verlängern mit einer zusätzlichen Abstützung, damit das Abwinkeln des Kardans sich gleichmäßiger auf beide Gelenke verteilt. Die Drehzahl müsste gesenkt werden. Bei hoher Fahrgeschwindigkeit biegt sich der Kardan in der Mitte bis zu 5 mm durch, schlägt sogar an die Innenverkleidung.
8. In der Epoche IV war das Fahrzeug im Original für 100 Km/h zugelassen. Die MIBA hat im Aprilheft eine maßstäbliche Geschwindigkeit von 92 Km/h gemessen. Wie wird das mit einem zusätzlichen Steuerwagen? Hätte man das zulässige NEM Maß ausgenutzt (ein leichtes Überschreiten wäre auch kein Beinbruch), würde man die Mechanik schonen und hätte das Geräuschproblem reduziert. Mit 10V fährt der VT nämlich recht zivilisiert durch die Kurven, aber eben viel zu langsam. Dafür ist auch die Serienstreuung der Motoren keine Entschuldigung. So groß ist die nämlich nicht. Herr Vincon sagte, bei Versuchen wäre ihm der Triebwagen aus der Kurve geflogen.....Bestimmt nicht, weil er zu schnell war.
Wie gesagt, bin auch ich dankbar, dass eine Firma etwas für uns anbietet. Ich wünsche Naumburg & Partner von ganzem Herzen Erfolg. Aber dafür ist ein gewisser Qualitätsstandart unerlässlich. Besonders die Punkte 7. und 8. sind sehr ärgerlich. Ich verstehe, dass man das jetzt in der Serie nicht mehr ohne weiteres ändern kann. Aber das wäre bei ordentlichem, ingenieurmäßigem Arbeiten vermeidbar gewesen. Ich bin selbst Ingenieur und habe die Vorgehensweise bei Neuentwicklungen in meiner Ausbildung anders gelernt. Das gab es sogar als eigenes Unterrichtsfach an meiner Fakultät. Auch in der Firma, in der ich arbeite, passiert es, dass diese Grundregeln einmal verletzt werden. Aber dann müssen wir dazu stehen und diese Fehler vollständig auf unsere Kosten beseitigen, um die Kunden nicht zu verlieren. Sind solche Fehler wiederholt einem Mitarbeiter zuzuordnen, muß er die Konsequenzen tragen. Ist man selbstständig, feuert einen zwar nicht der Chef, langfristig aber der Kunde. So sind die Folgen letztlich die gleichen.
Herr Vincon wollte mit der Zigarre vor dem avisierten Konkurrenzprodukt auf dem Markt sein. Er meinte auch, Kritik wäre hauptsächlich von uns Expresslern gekommen, weniger von NEM- und Märklin- Kunden. Ich hoffe für ihn, dass ich mit meiner Interpretation falsch liege: Die jetzigen Expressfahrer sind allesamt engagierte Modellbahner und sagen daher schneller etwas. Andere ärgern sich vielleicht mehr still, beschweren sich bestenfalls bei ihrem Händler (das habe ich öfters erzählt bekommen) und kehren der Marke den Rücken. Wäre ich NEM- Fahrer, hätte ich auch meine Zigarre stumm dem Händler zurück gegeben und auf das Konkurrenzprodukt gewartet. Jedenfalls habe ich keine begeisterten Berichte über die Zigarre gehört, oder gelesen und bei den Expresslern eher den Eindruck, dass sie wohlwollend schweigen, damit es noch weitere Produkte für uns gibt. Aber wenn N & P nicht an den anderen Modellbahnern vernünftig verdient, gibt es für uns auch nichts mehr. Deshalb halte ich konstruktive Kritik für unerlässlich, damit es in Zukunft besser wird.
In der Folge werde ich jedenfalls kein Modell mehr direkt und unbesehen bestellen, geschweige denn vorab bezahlen, sondern warten, bis es beim Händler ist, dort probieren und gegebenenfalls liegen lassen.
Mich würde interessieren, wie die Kollegen das sehen, also, ob ich das Modell zu kritisch sehe, oder andere die gleichen Erfahrungen gemacht haben.
Gruß
Heiko Mehnert