von noels » 09.11.2006, 22:32
Hallo zusammen,
Georg, danke für Deine differenzierenden Erläuterungen! So liest es sich anders. Die Argumentation erinnert mich an meinen VWL- Professor, einem Schüler Karl Schillers. (Beide schätze ich noch heute sehr). In der Quintessenz räumst Du ja auch der Veränderung der Bedürfnisse die größere Bedeutung ein. Das frei verfügbare Einkommen (auch das Taschengeld der Kids) hat gegenüber unserer Jugendzeit nicht abgenommen, aber die Verwendung ist eine andere. In Hinblick auf die Modellbahn liegt es wohl einerseits an der Veränderung der Gesellschaft. Aber auch die Industrie hat es versäumt, latente Bedürfnisse für sich zu zu wecken. Welches letztlich den größeren Einfluß hatte, werden wir nicht ermitteln, sondern nur das Ergebnis konstatieren können. Dabei sind die Folgen für unser Hobby nur eine unbedeutende Randerscheinung. Stefan und Ulrich weisen auf Folgen hin, die wesentlich wichtiger sind.
Aber ich bin da mal vorsichtig optimistisch. Schon immer wurden gesellschaftliche Veränderungen als besorgniserregend angesehen, haben sich später aber nicht als so schlimm erwiesen.
Zur Modellbahn zurück: Auch mir geht es so, daß ich mit meinem Hobby nicht unbedingt hausieren gehe, weil ich keine Lust mehr habe, immer wieder Erklärungen dafür abzugeben. Das empfinde ich aber auch gar nicht als schlimm. Die Kontakte unter uns (zahlenmäßig reduzierten) Hobbykollegen und die Beschäftigung mit der Modellbahn geben mir sehr viel. Andere Menschen haben für sich andere Dinge gefunden, die für sie diese Funktion erüllen. Das ein Kind von heute sich über Klingeltöne für das Handy so freut, wie ich mich früher über einen Kesselwagen, will ich nicht beurteilen. Entscheidend ist die persönliche Freude.
Bedenklich ist es nur, daß sich schon Kinder für ihre kleinen Freuden verschulden. Das hat man bei uns früher glücklicherweise kaum zugelassen. Der zweite bedenkliche Aspekt ist die Verarmung der Phantasie durch weniger anregende Freizeitbeschäftigung. Als Eltern und Großeltern darauf das Augenmerk zu legen, ist sehr wichtig. So habe ich meinen Sohn zwar nicht für die Modellbahn gewinnen können ;( aber er hat ein anderes kreatives Hobby gefunden. So etwas muß man dann unterstützen, auch wenn wir Alten es nicht teilen. Dann werden sich Ulrichs Beobachtungen vielleicht nicht mehr so oft wiederholen. Wenn wir dann noch etwas offener für Fragen und Vorstellungen unserer Kids sind, wird unser Hobby vielleicht quantitativ reduziert noch lange weiter leben. Neurdings gibt es ja auch wieder eine größere, preisliche Bandbreite des Angebotes. Damit mag die Produktion in Fernost ja vielleicht sogar einen positiven Effekt haben. Ein Teil der Leute, welche die Packungen bei Aldi gekauft haben finden jetzt preislich adäquate Ergänzungsmöglichkeiten. Der eine, oder andere bleibt so ebentuell bei der Stange.
Gruß
Heiko