Die Trix Express Bahn stirbt nicht heute und nicht morgen. Aber sie wird aussterben. Und es wird ein langsamer Tod sein. Einmal weil es immer schwerer wird, die Bahn am Leben zu erhalten. Andererseits weil Neueinsteiger nur als "Erbe eines Nachlasses" dazukommen. Denn im normalen Laden ist die Bahn schon lange verschwunden.
Als Beispiel sei mal die gute alte Schellack-Schallplatte als Vergleich bemüht. Die konnte früher jeder abspielen. Es werden zwar immer noch Plattenspieler angeboten, aber die sind weder mit der dafür geeigneten Nadel noch mit der erforderlichen Geschwindigkeit ausgerüstet. Zum Abspielen einer alten Grammophon-Platte benötigt man heute weiterhin die alten Geräte, die immer störanfälliger werden und sich nicht mal eben an heutige Verstärker anschließen lassen. Dazu gehören inzwischen gewisse Fachkenntnisse und spezielle Bezugsquellen, weil man eben die erforderlichen Teile nicht im Laden bekommt.
So wird es mit der Trix Express Bahn auch gehen. Denn wie kommt ein "einsamer" Trix Express Bahner heute zurecht, wenn er z. B. nichts von dem Angebot weiß, das hier im Internet zu finden ist?
Und dann kommt das schon wiederholt diskutierte Thema Preise. Ich meine jetzt nicht die Preise für die alten Schätzchen, sondern die Preise für Neuware im Laden, die letztendlich entscheiden, ob ein Kind eine Startpackung, eine neue Lokomotive oder etwas Anderes bekommt.
Im Handelsblatt konnte man am 1.2.2007 lesen, daß der durchschnittliche Brutto-Monatsverdienst eines Trix-Mitarbeiters 2000,- Euro beträgt. Das entspricht dem Monatlohn, den das Statistischem Bundesamt für weibliche Arbeitnehmer im produzierendem Gewerbe für das Jahr 2005 als Durchschnitt angibt: 2024,- Euro brutto. Zum Vergleich: 1968 lag der statistische Monatsverdienst einer Arbeiterin bei 636 DM.
Der folgende Vergleich hinkt insofern, weil als Nettolohn (natürlich individuell verschieden) weniger zur Verfügung steht. Aber wenn man den Bruttolohn als Maßstab nimmt, hätte man sich 1968 dafür 16,8 mal die damalige Märklin-Neuheit BR 216 (39 DM) kaufen können. Der heutige Lohn reicht nur noch für 10 Modelle der diesjährigen Märklin-/Trix-Neuheit, der soundlosen BR 218 (UVP 199 Euro).
Würde man die statistischen Bruttomonatsgehälter von Männern heranziehen (1008 DM zu 2712 Euro), wäre es noch auffälliger: damals hätte man 25,8 - jetzt nur noch 13,6 Modelle kaufen können. Insgesamt war die Steuer- und Abgabenbelastung 1968 geringer. D. h. die Kaufmöglichkeit von 10 (bei Frauen) und 13,6 (bei Männer) Lokomotiven fällt für 2007 noch ungünstiger aus. Die Modelleisenbahn ist für einen Durchschnittshaushalt (wo auch andere Wünsche erfüllt erden wollen, die es 1968 noch gar nicht gab) immer unerschwinglicher geworden.
Die Märklin-Manager stellen sich hin und feiern den Umsatzzuwachs von 123 Mill. (2005) auf 124 Mill. Euro (2006) - das ist ein Plus von 0,8 %. Verschwiegen wird, daß im gleichen Zeitraum die Preise um 6 % erhöht wurden. Das sagt doch nichts anderes, als daß mengenmäßig wieder rund 5 % weniger Modellbahnen verkauft wurden.
Die Modelleisenbahn (ob es Trix Express oder sonst eine Marke ist) wird nie wieder die Rolle spielen, die sie mal innehatte. Das wird auch neue Geschäftführer, Herr Dietz, merken. Und da helfen auch nicht solche Versuche, wie
http://www.4mfor.com . Kinder werden das "ganz toll" finden. Erwachsenen bleibt da u. U. "etwas im Hals stecken" und werden sich erinnern, daß Märklin nie wieder Kriegsspielzeug herstellen wollte. Aber da das Militärgerät nicht in Göppingen gefertigt wird, bricht man die alte Regel auch nicht.
Viele Grüße Georg