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Loks restaurieren

Technisches: Fragen, Tipps & Tricks zu Wartung, Reparaturen, Umrüstungen etc.
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Beitragvon Br01 » 15.10.2008, 10:00

Moin Richard,

meinst Du mit "Brennsprit" Brennspiritus, also Ethanol?

Alkohol, im speziellen Ethanol, ist ja ein relativ universelles, aber doch recht schwaches Lösungsmittel. Propyl als längerkettiger Alkohol verhält sich etwas anders, wird aber sicher auch - wie Du schreibst - Farben angreifen, die Ethanol-löslich sind.

Was ist eigentlich eine BLS-Lok? Ich kann mir darunter gerade nichts vorstellen.

Jedenfalls kommt es wohl auf die verwendete Farbe an. Man weiß ja nicht genau, was Trix da genommen hat, aber Farben auf Wasserbasis werden wohl eher mit Alkohol zu lösen sein als Farben auf Verdünner-Basis.

Ach übrigens, unter "Baumarkt" verstehe ich durchaus Obi&Co, das geht glaube ich den meisten "Otto-Normal-Verbrauchern" so.

Wie dem auch sei, ich habe wieder etwas Zeit und werde die zerlegte Br64 erstmal mit Waschbenzin und Bürste bzw. Borstenpinsel reinigen, ich hoffe, daß ich damit auch den Schmodder, der in den Zahnrädern hängt, vernünftig abkriege.

Meine Hauptsorge gilt aber den verölten Radbuchsen, ich hoffe, das Benzin entfettet genügend. Mit Petroleum will ich da nicht ran, weil es ja auch fettet und schmiert, oder nicht? Die Konsistenz ist doch so ähnlich wie die von Diesel?
Ich frag mich immer noch, ob wir vom dem gleichen Zeug sprechen...

Viele Grüße,
Bernhard
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Beitragvon TE lebt » 15.10.2008, 13:47

Hallo Bernhard,

es ist wohl so, dass das, was Richard mit "Brennsprit" bezeichnet, bei uns als Brennspiritus bekannt ist, und mit "Petrol" meint er wohl Petroleum. In der Schweiz hat man für manche Dinge etwas andere Bezeichnungen als bei uns.
Tatsächlich hat Trix zeitweise Farben verwendet, die von Spiritus gelöst werden, so wohl auch bei der von Richard erwähnten BLS-Lok. Was sich dahinter verbirgt, kannst Du hier sehen (es gab die Lok auch noch in braun).
Und zum Thema Petroleum findest Du an dieser Stelle weitere Informationen.

Viele Grüße

Günther
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Beitragvon Br01 » 15.10.2008, 15:49

Moin,

super, vielen Dank. Dann lag ich ja mit meinem Vergleich zu Diesel gar nicht so falsch.

Habe Petroleum heute auch zwischen den Farben und Lacken im Baumarkt entdeckt. Es stand sogar auf der Flasche, daß Petroleum entfettet, andererseits ist es in manchen Bereichen als Schmiermittel geeignet. Da ich momentan aber eigentlich keine alten, verklebten Fette und Öle entfernen muß, sondern nur verschiedene Bauteile von reichlich angewendetem Öl befreien will - so zum Beispiel auch die Radbuchsen - habe ich zum Waschbenzin gegriffen, da dieses nachher keinen Schmierfilm mehr hinterlässt, das Petroleum wahrscheinlich schon...

Hatte noch nicht gesehen, daß Richard Schweizer ist, danke für den Hinweis. Die deutsche Sprache ist eben mannigfaltig ;)

Danke auch für das Bild der BLS-Lok, nun weiß ich was gemeint ist.

Der Farbe meiner Br64 werde ich nun mit normaler Beize oder Bremsflüssigkeit (Tip vom Fachmann ;)) zu Leibe rücken, je nachdem was ich als erstes zu fassen kriege.
Legt man die Loks zum beizen am besten in die Flüssigkeit, oder reicht es, sie damit einzupinseln und später abzuwischen?

Viele Grüße
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Beitragvon noels » 15.10.2008, 17:17

... bei Bremsflüssigkeit gebe ich etwas in eine Glasschale, lege das Gehäuse hinein und streiche mit dem Pinsel einige Male über die Flächen. Das Teil ganz einzutauchen, bräuchte viel zuviel von dem Zeug, das man ja auch wieder los werden muß.
Gruß
Heiko
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Beitragvon TE lebt » 15.10.2008, 17:46

editiertes Original von noels
... Bremsflüssigkeit ... auch wieder los werden muß.


Genau aus diesem Grund versuche ich mein Glück immer zuerst mit Aceton (natürlich nicht bei Kunststoff!). Wenn man dann die Brühe in einer Glasschale an einem gut belüfteten Ort ein paar Tage stehen lässt, hat sich das Problem von selbst erledigt, denn Aceton verdunstet rückstandsfrei. Es bleibt nur die gelöste Farbe übrig, und von der passt viiiiiel :D in so eine Schale. Und man kann die Rückstände herauskratzen und einer geordneten Entsorgung 8) zuführen.

Gruß Günther
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Beitragvon Richard » 15.10.2008, 19:50

Hallo Bernhard

Das Rätsel um Sprit und Spiritus hat Günther jetzt aufgeklärt. Wie noels richtig erwähnt hat, ist Brenn- oder Industriesprit vergällter Alkohol (chem. Ethanol). Dazu wird Kampfer (das stinkige Zeugs in den Mottenkugeln) begemischt, damit es von Alkis nicht mehr gesoffen werden kann.
Ethanol wird in der Schweiz nur selten verwendet, da der Staat da seinen Tribut fordert. Da es wie Medizinalalkohol mit Alkoholsteuer belastet ist, kostet ein Liter über 20 sFr. Für einen Liter Sprit hingegen bezahlt man z. Zt. etwa sFr. 2.80.

Um Farben von Metallgehäusen zu entfernen, nehme ich meistens Nitroverdünner. Nach Gebrauch sammle ich es wieder in einer Flasche. Mit der Zeit nimmt es zwar eine braune Farbe an, die Wirksamkeit geht aber nicht verloren. Wenn man es sorgfältig aus der Flasche giesst, bleiben die alten Farbrückstände als Satz am Boden zurück. Abbeizmittel verwende ich wirklich nur dann, wenn alle anderen Mittel versagen. Abbeizmittel sind sehr agressiv. Die Metallgehäuse greifen sie zwar nicht an, zum Arbeiten sollte man aber im eigenen Intresse chemikalienbeständige Gummehandschuhe anziehen.

Wie gut sich die Isolierbuchsen auf den Achsen festkleben lassen, weiss ich nicht. Da sie aus Nylon sind, wirst Du den dafür geigneten Schnellkleber verwenden müssen, sonst wird die Reparatur nicht von langer Dauer sein.
Manchmal findet man bei der Demontage auch Achsen mit einem eingepressten Rändel. Damit diese Achsen aber in Drehgestêllloks montiert werden konnten, musste der Rändel aber wieder überschliffen werden, wodurch natürlich seine Wirksamkeit stark reduziert wurde. Wann und wie lange TRIX solche Achsen verwendet hat, ist mir aber nicht bekannt. Wenn Du aber solche Achsen findest, solltest Du sie vorwiegend für Dampfloks verwenden, da sie immer noch etwas besser sind, wie die glatt geschliffenen.

Freundliche Grüsse
Richard
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Beitragvon Br01 » 16.10.2008, 08:18

Moin,

tja das mit der Entsorgung der "Mittelchen" ist mir auch schon durch den Kopf gegangen...

Wo wird man denn Bremsflüssigkeit los?
Ansonsten ist der Tipp mit dem Aceton oderder Nitro-Verdünnung auch nicht schlecht...

Bei den Buchsen werde ich auf Tip von Heiko hin den Loctite Buchsenkleber verwenden. Rändelachsen sind mir noch keine untergekommen, wenn das passiert werde ich es aber so machen.

Ein letztes Problem bleibt: Die Räder der Dampfloks müssen ja um 90° versetzt auf den Achsen sitzen. Wie genau muß das denn sein. Reicht da Augenmaß oder sollte man dafür ein Werkzeug bemühen? Und wenn ja, welches eignet sich hier? Das ganze muss ja auch relativ schnell gehen, der Buchsenkleber lässt einem zwar etwas mehr Zeit als normaler Sekundenkleber, aber mehr als eine Minute dürfte nicht drin sein. Und die Spurweite will ja auch noch eingestellt werden...


Viele Grüße,
Bernhard
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Beitragvon noels » 16.10.2008, 11:13

Moin,
es kommt nicht so sehr auf die exakten 90 Grad an, viel mehr, daß alle Achsen gleich stehen. Mit etwas Übung geht das mit Augenmaß. Wenn Du senkrecht durch die Räder schaust, müssen die Schraublöcher des vorderen Rades sich bei allen Achsen mit der selben Speiche des hinteren Rades decken.
Man kann sich eine Vorrichtung auch selbst bauen: auf einem Brettchen einen dünnen Strich als X- Achse ziehen und in ca 2 cm Höhe an zwei Nägeln einen Zwirn als Y- Achse spannen. Damit bekomme ich das eigentlich immer perfekt hin.
Gruß
Heiko
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Entsorgung von Schadstoffen

Beitragvon Hans » 16.10.2008, 20:27

Hallo Bernhard,

Bremsflüssigkeit, Nitroverdünnung, alte Lacke, Putzmittel und andere Schadstoffe können bei uns nach Gebrauch bei einem Schadstoffmobil 4 mal im Jahr abgegeben werden. Das ist je nach Schadstoff wie z.B. Bremsflüssigkeit oder alte Lacke für Privat sogar kostenfrei. Ich würde mal beim jeweiligen Regionalen Abfallentsorgungsunternehmen nachfragen.

Viele Grüße
Hans
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Beitragvon Br01 » 17.10.2008, 08:40

Hallo,

danke für die Hinweise.
Da ich in einer dunklen Ecke noch Nitro-Verdünner gefunden habe, bin ich der Br64 damit zu Leibe gerückt...
mit mäßigem Erfolg: das Rot blätterte ab, hat sich aber nicht wirklich gelöst und für nervige Lackschnipsel in der Lösung gesorgt. Das Schwarz ging nur sehr widerwillig und auch nur an einigen Stellen ab.

Ich werde es heute mal mit Bremsflüssigkeit versuchen, die Nitro-Verdünnung stinkt ja auch so wahnsinnig...

Mal eine Frage zum Lack: ich werde Auspufflack für schwarz und MaxBahr-Seidenmatt-Rot zum Lackieren verwenden. Ist dabei eine Grundierung notwendig?

Viele Grüße,
Bernhard
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Beitragvon irolke » 17.10.2008, 10:14

Hallo Bernhard

ich habe deine Sorgen mit der Farbe gelesen

und die vielen guten Ratschläge auch

ich mache sehr viel mit Farben und Lacke
und kenne die Probleme die du hast

in anderen Beiträgen hatte ich auch schon da zu etwas geschrieben

ich strahle die Gehäuse mit Korund
das geht viel schneller , stinkt nicht und ist viel Gründlicher als mit den Anderen Mittel
nach dem Strahlen entfette ich die Metallgehäuse in Nitro
und Plastik mit Spülmittel und Zahnbürste

ich Grundiere die Gehäuse mit einer Grundierung für Allu und Zink

wenn du weitere Fragen hast ich stelle in Schwerte aus
ich bringe auch gestrahlte Gehäuse mit zum anschauen

und du kannst den Kollegen Nico fragen wie gut das mit dem Strahlen geht
der Nico wollte mir auch ein mal einige Kleinteile geben zum lackieren aber er hatte noch nicht die Farbe her unter
das wollte er auch mit den oben genanten Mitteln machen
bei einen Besuch habe ich Ihm gezeigt wie gut das geht
und er hat es sofort auf gegeben es selber zu machen sondern ich bekomme die Teile so von ihm

wenn du es Eilig hast kannst du mir auch einige Teile schicken dann strahle ich die dir bis Schwerte


mftg Ingo
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Beitragvon Br01 » 17.10.2008, 11:33

Moin Ingo,

vielen Dank für das Angebot, aber ich kann gar nicht nach Schwerte kommen, weil ich an dem Tag arbeiten muss.

Sandstrahlen ist natürlich immer eine gute Möglichkeit, aber eben recht aufwendig, wenn man dafür nicht ausgerüstet ist.
Momentan habe ich auch nur die eine Br24 (nicht Br64 wie ich vorher schrieb, hab mich vertan) zum umlackieren, die Br01 und die Br64 sind ok. Es wird noch eine Br80 kommen, die auch lackiert werden muss. Also insgesamt 2 Loks, mit denen werde ich jetzt konventionell fertig... ich werde nachher mal Bremsflüssigkeit besorgen, mal sehen ob die besser geht als die Nitro-Verdünnung...


Viele Grüße,
Bernhard
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Beitragvon Richard » 17.10.2008, 11:58

Hallo Ingo

Eine Stahlanlage ist natürlich das Nunplusultra für eine Gehäuseaufarbeitung. Eine kleine Strahlkabine und ein Kompressor kosten ja heute nicht einmal mehr 300Euro. Nachteilig ist natürlich das Volumen so einer Vorrichtung. Auch sollte man die Kabine nicht gerade dort aufstellen, wo unerwünscht austretendes Strahlgut (das gibt es leider immer!) andere Maschinen (Gleitbahnen, etc.) in Mitleidenschaft ziehen kann.

Mit Korund habe ich schlechte Erfahrungen gemacht, da er sehr abrassiv ist. Wenn man nicht aufpasst, sind erhabene Schriften, scharfe Kanten und andere Details sehr schnell verrundet. Ich verwende daher für Zinkdruckguss- und Alugehäuse immer Glaskugelmehl. Dieses wird auch von professionellen Betrieben z.B. zur Alu-Felgen-Restaurierung verwendet.

Strahlen hat noch einen weiteren grossen Vorteil: Oberflächliche Spuren von Zinkoxid nach feuchter Lagerung lassen sich so vollständig entfernen. Mit einer einwandfreien Grundierung kann ein erneutes Auftreten der Oxidation verhindert werden. Meine ersten Gehäuse habe ich so vor ca. 20 Jahren aufbereitet. Nur bei einem V200-Unterteil, wo das Zinkoxid schon zu tief eingefressen war, ist es später wieder aufgetreten.

Freundliche Grüsse
Richard
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Beitragvon irolke » 18.10.2008, 08:39

Hallo Richard

mit dem unerwünscht austretendes Strahlgut habe ich keine Probleme da ich einen Allessauger mit einen vor geschallteten Russfilter habe ich habe das alles im Keller stehen so geht das sehr gut das im Wohnzimmer würde ich mir die Anlage aber auch nicht stellen
einzigstes sind die schlechten Lichtverhältnisse in der Box

zwei Frage habe ich noch wie fein ist dein Strahlgut
und kommst du nach Schwerte?

Kannst du dann ein Gestrahltes Gehäuse und etwas Strahlgut mit bringen

mfg Ingo
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Beitragvon Richard » 19.10.2008, 13:49

Hallo Ingo

Was für eine Qualität in der Strahlanlage bei meinem damaligen Arbeitgeber eingesetzt wurde, weiss ich nicht. Ich werde den ehemaligen Betriebsmechaniker einmal anrufen und nachfragen.
Sehr gutes Strahlgut hat mir Ecki einmal geschenkt. Ev. kann er auf senem Gebinde ablesen, von welcher grösse die Glaskugeln sind.

Ich habe noch ein glasgestrahltes BR80-Gehäuse, welches ich nach Schwerte mitnehmen kann. Ich werde am Tisch der Schweizer Delegation Menzi/Leibacher/Enz/Aerne zu finden sein.

Freundliche Grüsse
Richard
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