von Georg » 02.11.2004, 23:10
Leider keine kurze einfache Antwort:
Die Bogenweiche hat Isolierabschnitte, die fast so lang sind wie der Mindestabstand der Lokschleifer. Die Außenschleifer der Lok müssen wegen der langen Isolierstelle von fast 50 mm innerhalb der Weiche diesen Abstand sicher überbrücken. An der Lok müssen also beide Außenschleifer sauber und mit genügendem Druck auf die Schienen drücken. Für den Mittelschleifer gilt das Gleiche. Der Mittelleiter hat eine Lücke von etwa 45 mm. Viel größer ist der Abstand der Schleifer bei kleinen Lokomotiven leider nicht.
Eigentlich müßten die Isolierstellen in der Bogenweiche sogar noch größer sein, wenn man das Bauprinzip der Normalweiche beibehalten hätte. Aber der Minimalabstand der Schleifer ist nun mal seit 1935 vorgegeben. Das dürfte auch der Grund sein, warum Trix keine Weiche für den Radius R2 herausgebracht hat. Die Isolierabschnitte wären so groß, daß man mit dem Standardabstand der Schleifer sie nicht überbrücken kann.
Um das Problem mit überlangen Isolierstellen zu lösen, wird nicht nur der Strom in den Weichenzungen und dem anschließenden Schienenstücken (wie bei der Normalweiche) sondern auch in dem Metallherzstück umgeschaltet. Die Weiche hat nämlich nicht wie die Normalweiche ein Kunststoffherzstück, sondern ein Herzstück aus Metall. Da dieses Herzstück je nach Weichenstellung sowohl von den rechten Rädern als auch von den linken Rädern befahren wird, muß es umschaltbar sein, damit es zu keinem Kurzschluß kommt, wenn Schleifer oder Metallräder das Herzstück berühren. (Natürlich darf auch wie bei der Normalweiche immer nur eine Zugenschiene Strom führen.)
Für die Versorung des Metallherzstückes ist eine Umschaltung vorhanden, die das Herzstück je nach Weichenstellung mit EINER der beiden Außensschienen elektrisch verbindet. Leider hat man für die Umschaltung eine billige und wenig zuverlässige Lösung gewählt. Bei den älteren Weichen bekommt jeweils DIE Weichenzunge Strom von der Schiene, die gerade an einer Außenschiene anliegt. Da können schon die ersten Kontaktprobleme auftreten. Der bewegliche Teil Weichenzunge leitet aber auch den Strom zur feststehenden Verlängerung der Weichenzunge mittels einer winzigen Kontaktfeder, die man erst sieht, wenn man sich die Bogenweiche von unten ansieht. Sie drückt von unten gegen den Schienenfuß. Sie sind kaum zu sehen und verschmutzt sehr leicht.
Ferner befindet sich in der Nähe der Stellschwelle unter den Weichenzungen zwei winzige Federkontakte, die von unten jeweils EINE der beiden Weichenzunge berühren und damit den Strom der "richtigen" Außenschiene zum Metallherzstück leitet. Diese Kontakte sind nur vernünftig zu reinigen und zu richten, wenn die Weiche nicht in einer Anlage verbaut ist.
Die Kontaktübertragung in Verbindung mit der üblichen Staub- und Schmutzablagerung ist derart schlecht, daß Trix selbst über Abhilfe nachgesonnen hat. Man hat dann die Umschaltung für das Herzstück (aus dem Bereich Stellschwelle) in das Gehäuse des Magnetantriebes verlegt und nimmt die Umschaltung durch einen Kontakt an einer Verlängerung des beweglichen Magnetkern vor. Auch die Kontakte zwischen der beweglichen Weichenzunge und dem anschließenden festen Schienenstück hat man verbessert. Statt von unten berühren nun die etwas vergrößerten Kontakte seitlich die beweglichen Weichenzungen. Diese Kontakte (die eben keinen Kontakt geben) und nicht richtig anliegende Weichenzungen sind aber weiterhin meistens die Ursache, warum die Lokomotiven mangels Stromversorgung stehenbleiben.
Wird die Bogenweiche für den fliegenden Aufbau einer Anlage eingesetzt, kommt man relativ leicht an die vielen Kontakte heran und kann sie leicht regelmäßig reinigen und gegebenenfalls richten, damit sie zuverlässig den Strom übertragen.
Soll die Bogenweiche aber langfristig auf einer Anlagenplatte fest montiert werden, sollte man sich nicht auf die in der Weiche serienmäßig eingebauten Kontakte verlassen. sondern man sollte an jedem der insgesamt fünf umzupolenden Schienenstücke einen eigenen Draht löten. Diese Drähte führt man zu einem separaten Relais, das dann zusammen mit der Weiche umgestellt wird.
Man benötig dazu ein Relais mit mehreren Wechslern.
1. Wechsler: In der Weichenstellung "Außenbogen" bekommt die Zungenschiene, und das anschließendem Schienenstück über den ersten Wechser den Strom von der dem Magnetantrieb nächst liegenden Außenschiene.
2. Wechsler: Der zweite Wechsler schaltet in der Weichenstellung "Außenbogen" den Strom von der anderen Außenschiene zur anderen Weichenzuge und anschließendem Schienenstück ab. Es ist stromlos.
3. Wechsler: Der dritte Wechsler verbindet das Herzstück mit dem Strompotential des ERSTEN Wechslers.
Wird die Weiche auf "Innenbogen" umgestellt:
-> schaltet der erste Wechsler den Strom ab,
-> der zweite Wechsler schaltet den Strom an dem zuvor stromlosen Schienenstück an.
-> und der dritte Wechsler verbindet nun das Herzstück mit Strom des ZWEITEN Wechslers.
Wie man aus der Beschreibung sieht, ist die Schaltung leider nicht ganz einfach. Aber dann erfolgt die Umschaltung durch ein staubgeschütztes Relais und nicht mehr durch die dem Schmutz auf der Anlage ausgesetzen offenen Kontakte.
Fortgeschrittene, die sich mit Relais auskennen und die Stromversorgung noch sicherer machen wollen, können über die Ralaiskontakte sogar die jeweils stromlose Schienenabschnitte mit dem Potential des Mittelschleifers verbinden. Wenn dann der Mittelschleifer über die normalerweise stromlose Außenschiene innerhalb der Weiche gleitet, bekommt er von dort zusätzlich Mittelleiterstrom. Damit ist der Isolierabschnitt des Mittelleiters wesentlich verkürzt.
Wenn man, wie bei einem Gleiswechsel üblich, immer zwei Bogenweichen gleichzeitig schaltet, kommt man sogar mit einem Ralais aus. Aber auch da sollte man sich mit Relais schon ein wenig auskennen.
Georg